Heyford Park Airbase Races – Zu Gast bei der Royal Airforce oder zum Teeklatsch auf die Runway (21,1 km/HM)

Am Wochenende war es mal wieder soweit. Es gab zwar keine Länderpunkte in meiner Länderlaufliste, aber lohnenswert war es allemal. Diesmal hatte es mich auf die Airforcebase in Upper Heyford, England, verschlagen. Sehr wahrscheinlich, dass man hierzulande diesen Ort nicht kennt, aber indirekt hat der regelmäßige Kinogänger zumindest Teile schon gesehen. Dazu gleich mehr. Mit British Airways ging es für sagenhaft günstige 85,- € nach London und von dort mit dem Mietwagen nach Middleton Stoney, einer Häuseransammlung und einem Best Western Hotel, in der Nähe von Bicester.

RAF Upper Heyford war früher eine  Royal Air Force-Basis, die rund 8 km nordwestlich von Bicester in der Nähe des Dorfes Upper Heyford, Oxfordshire, England, liegt. Die Station wurde im Juli 1918 von der Royal Air Force in Dienst gestellt und ist mit ihren 100 Jahren eine der ältesten militärischen Luftwaffenstützpunkte der Welt. Offiziell geschlossen wurde die Basis im Dezember 1993. Heutzutage werden die Bunker als Lagerfläche, die Start- und Landebahn sowie die Taxiways für Fahrsicherheitstrainings und als Teststrecken verwendet. Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, dass man hier auch den einen oder anderen Hollywoodstar trifft, wird das Gelände doch gerne auch für Filmaufnahmen, wie z.B. in der Vergangenheit geschehen,  für James Bond Octopussy, Fast & Furios 6 oder World War Z, herangezogen.

Und einmal im Jahr rennen dann eben auch rund 450 wagemutige Läufer im Rahmen der Heyford Park Airbase Races, organisiert von Purple Patch Running, wahlweise über 5 oder 10 Kilometer oder aber über die Halbmarathondistanz über das Gelände. Da es zudem auch Kinderläufe gibt, ist es eine Veranstaltung für die ganze Familie.

Sonntagfrüh ging es also los. Mit dem Wagen knapp 4 Kilometer bis nach Upper Heyford gefahren. Suchen musste ich nicht lange, da Upper Heyford die Airbase ist. Was anderes, außer mittlerweile diverse zivile Wohnsiedlungen, gibt es hier nicht. Die Einfahrt auf die Airbase war gut ausgeschildert. Meine im Vorfeld zugemailte Zutrittskarte brauchte ich nicht vorzeigen. Von Geisterhand öffnete sich die Schranke und ich fand mich in der Welt des Kalten Krieges und vergangener Tage wieder. Platz gab es satt, somit auch keine Parkprobleme.

Die Startnummernausgabe war rund 5 Minuten vom Parkplatz entfernt, direkt an einer der Landebahnen, wo sich auch der Start-und Zielbereich befand. Schattig und kalt war es. Eine Jacke hatte ich nicht mitgenommen – ein Fehler, hatte ich doch im Vorfeld schon gelesen, dass es hier ziemlich zugig sein kann. Aber wer wochenlang annähernd knapp 30 Grad hatte, rechnet nicht mit lausigen 16 Grad.

Strecke Heyford

Ich war früh dran und so schaute mir dennoch die Anlagen ein wenig an. Es war noch ziemlich bedeckt. Fürs Laufen top, für die Fotos schlecht. Da die Sonne ab 11 Uhr rauskommen sollte, verlegte ich die weitere Besichtigung auf später und wartete im Auto auf meinen Start. Insgeheim hoffte ich, dass es vielleicht bis zum Ende des Laufes bedeckt bleiben würde. Auf dem Fluggelände würde es ja praktisch keine Deckung und keinen Schatten geben. Heiße Temperaturen während des Laufs waren also vorprogrammiert.

Pünktlich um 10 Uhr gab es dann den Startschuss. Ein  vermutlich skurriles Bild. Eine endlose Betonpiste und dann diese paar People, nämlich lediglich 144 beim Halbmarathon, die zuerst im Pulk, später hintereinander her, vermutlich aus dem Auge der Zuschauer immer kleiner und förmlich vom Beton verschlungen wurden.

Ich ließ es locker angehen, startete bewusst von weiter hinten. Überholprobleme gab es hier nun wahrlich nicht. Die Luft war herrlich kühl, es kam Wind von der Seite, von hinten oder von vorne und ich kam ziemlich zügig, aber dennoch nicht angestrengt voran. Die ersten 6 Kilometer lief ich mit einer Pace von deutlich unter 5 Minuten. Ab Kilometer 12 wurde ich dann aber langsamer. Shit, die Sonne war da. Wie mit einem Hammerschlag schaltete sich der kühle Wind aus, die Wolken rissen auf und die Sonne knallte auf uns nieder. Meine Pace wanderte damit direkt deutlich hoch.

Da der Kurs immer mal wieder die Richtung wechselte, bekamen wir dennoch immer mal wieder Wind ab. Dies machte sich bei mir bemerkbar. Wie ein Jojo sprang die Pace von etwas über 5 Minuten auf knapp 6 Minuten und wieder zurück. 12 Kilometer hatte ich für die Katz gearbeitet und mein zwischenzeitig gefestigtes Ziel, vielleicht mal wieder eine Bestzeit in England einzufahren, war dahin.  Die letzte PB hatte ich beim  NorthLondon Half Marathon vor zwei Jahren eingestellt.

Jetzt hieß es wieder mal flexibel sein in der Zielerreichung. Das Ziel am besten so einstellen, dass es tatsächlich zu erreichen war und nicht direkt wieder eine psychologische Hürde aufgebaut wurde, wenn man auch dieses neue Ziel nicht erreichen sollte. Das Jojo-Spiel nahm seinen Lauf. Unter 2 Stunden! Yeah, das musste drin sitzen. Weiter ging es über die Landebahnen, über den Taxiway, der an den Seiten bereits zu gewuchert war. Machte nichts, schnippeln musste sein, war jetzt legitim. Auch wenn es eigentlich nichts brachte, außer noch mehr Konzentration abzufordern. Dann stellte ich fest, so langsam war ich nicht. OK, Bestzeit sitzt nicht drin, aber vielleicht meine Zeit von Marseille knacken? 1:47:59 Stunden. Ein Versuch war’s wert.

Abgesehen von den riesigen Flugzeughangars und den kleineren Versorgungsgebäuden gab es wirklich nicht viel zu sehen, und bei unserem Halbmarathon mussten wir immerhin zwei Runden drehen. Schon mal auf einer Landebahn gelaufen? Probiert das mal in Tempelhof aus. Sieht harmlos aus, ist aber die pure Herausforderung, quasi eine never ending Story. Du siehst das Ziel, aber es scheint Dich nicht zu sehen. Du kommst und kommst nicht ran. Kurz vor dem Schluss geht’s dann ganz schnell und Du hast es geschafft.

Der Brite an sich ist extrem gesprächig. Zwischen Kilometer 14, meinem traditionellen Tiefpunkt und Kilometer 16, bekam ich nette Unterhaltung. Auch andere Läufer liefen nun in Grüppchen und unterhielten sich. Teeklatsch auf der Runway. Aber ich hatte ja nun ein neues Ziel, mein drittes. So wechselhaft war ich noch nie unterwegs. Was soll’s. Mit der nötigen Flexibilität läuft’s sich einfach besser.

Bei Kilometer 17 merkte ich, dass es wohl auch nichts mit meiner Marseille-Zeit wird. Also musste ein neues, ein viertes Ziel gefunden werden. Sub 1:50:00 Stunden musste herhalten. Auch wenn es schwer fiel, jetzt packte mich aber doch noch einmal der Ehrgeiz. Bei Kilometer 15 gab es bereits reichlich Jelly Beans und Wasser. Es schien zu wirken, meinte ich zumindest. Aber der Gedanke tat gut. Bei Kilometer 19 befand ich mich wieder im Taxiway zur Startbahn. Das Ziel war nur zu erahnen, da die Runway hier eine ganz leichte Krümmung aufwies und das Ziel so erst rund einen Kilometer später in Sicht kam.

Nochmal Wasser tanken bei Kilometer 20 und Vollgas. Mit 1:50:31 Stunden schaffte ich dann diesen Halbmarathon gesund und zufrieden zu beenden. Gemäß dem Jojo-Spiel musste natürlich das vierte Ziel auch gerissen werden, aber die 32 Sekunden, die schenkte ich mir. Alles war gut, der Lauf beendet. Mit meiner Zeit erreichte ich unter den lediglich 144 Finishern Platz 60, bei der Geschlechterwertung Platz 52 (89) und in der AK-Wertung Platz 19 (34). Mit durchschnittlich 5:14 Minuten/Kilometer hatte ich dann doch noch eine durchaus respektable Pace vorzuweisen.

Der Halbmarathon wird als „pancake flat“, also flach wie ein Pfannkuchen, und damit als bestzeitentauglich beschrieben. Dennoch hängt hier viel von den Wetterbedingungen ab, da die gesamte Strecke schonungslos der Witterung ausgesetzt ist. Ich würde sagen, dass ich durchaus Glück hatte mit dem Wetter, da sich die Sonne erst ab der zweiten Hälfte durchsetzen konnte.

Dies war mein zweiter Halbmarathon, den ich vom Veranstalter Purple Patch Running gerannt bin. Der Lauf findet sicher nicht in einer landschaftlich schönen Umgebung statt, das kann man nun wahrlich nicht behaupten, aber es ist interessant, wenn man Interesse an derartiger Infrastruktur hat.

Die Rennen von Purple Patch sind halt etwas Besonderes – eben keine Standardrennen. Das Umfeld ist sehr familiär und die Teilnehmerzahl recht überschaubar. Die Organisation ist vorbildlich. Bereits im Vorfeld wird man hervorragend auf das Rennen und die Gegebenheiten vor Ort vorbereitet. Die Marshalls an der Strecke sind immer voll dabei und sorgen kräftig für Stimmung.

Informationen zu diesem, aber auch zu vielen anderen speziellen Läufen, findet Ihr auf der Website von Purple Patch Running oder aber auf der Facebookseite des Veranstalters.

Und nun heißt es direkt wieder vorbereiten, denn der nächste Lauf ist bereits in 14 Tagen auf der Isle of Barra in Schottland. Dazu aber später mehr. Allzeit gute Läufe!

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