Mitte März stand bereits mein zweiter Halbmarathon auf dem Programm – diesmal in der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Nachdem Split im Februar eher eine „Notlösung“ für das krankheitsbedingt verpasste Doha war, lief Zagreb nun ganz regulär.
Zu dieser Jahreszeit scheinen sich zumindest die Flughäfen zu gleichen: groß, modern, futuristisch – und erstaunlich leer. Für den Weg in die Stadt gab es zwei Optionen – den teuren Direktbus oder den Linienbus, der nur rund zehn Minuten länger brauchte, dafür aber gerade einmal 1,50 € kostete. Die Entscheidung war schnell getroffen.
Da mein Flug vorverlegt worden war, kam ich bereits am Morgen an und konnte mein Zimmer im Youth Hostel noch nicht beziehen. Also stellte ich mein Gepäck ab und machte mich direkt auf Erkundungstour. Zagreb ist für einen Kurztrip gut strukturiert. Ober- und Unterstadt lassen sich bequem auf mehrere Tage aufteilen.











Am Freitagnachmittag ging es zur Startnummernausgabe an der Nationalbibliothek. Das Gebäude liegt in der modernen Neustadt, direkt an einer breiten Straße mit dem „Park der Fontänen“ in der Mitte der Straßen. Kühl, weitläufig, viel Beton – ein starker Kontrast zur charmanten Altstadt Zagrebs. Die Ausgabe selbst war unspektakulär – zwei Tapeziertische, keine Expo, alles schnell erledigt.
Sonntag, Raceday, das Wetter spielte mit. Es war kühl, und auf den breiten Boulevards pfiff der Wind ordentlich. Zum Glück hatte ich mich für lange Ärmel entschieden. Vom Hostel war es nicht weit zum Start, und da ich alles Nötige bereits bei mir trug, konnte ich die lange Schlange an der Gepäckabgabe umgehen.
Nach einer kurzen Einlaufrunde stellte ich mich in den Startbereich. Pacer suchte ich vergeblich – keine Ballons, keine Fahnen. Also musste ich mir mein Rennen selbst einteilen.

Pünktlich um 8:30 Uhr gab der Zagreber Bürgermeister den Startschuss. Schnell fiel auf, die Startaufstellung war eher chaotisch – langsamere Läufer vorne, schnellere weiter hinten, dazu viele mit Kopfhörern, die wenig von ihrer Umgebung wahrnahmen. Immerhin boten die breiten Straßen genug Platz, um sich zügig freizulaufen.
Die Strecke führte zunächst stadtauswärts, bevor wir nach kurzer Zeit wendeten und Richtung Zentrum zurückliefen. Vorbei an der Nationalbibliothek und dem Park der Fontänen, begrüßte uns die Statue von Franjo Tuđman, dem ersten Präsidenten der Republik Kroatiens. Nach etwa einem Kilometer bogen wir in die Ulica grada Vukovara ein, später weiter in die Savska Cesta und schließlich in die Prisavlje parallel zur Save, die wir jedoch nicht sahen.
Viel Abwechslung bot dieser Abschnitt nicht – Verwaltungsgebäude, Wohnblocks, wenig Highlights. Erst bei Kilometer 4,5 wurde es ungewöhnlich. Die Strecke führte scheinbar über ein Firmengelände, entpuppte sich dann aber als Areal des kroatischen Fernsehens.











Kurz darauf passierten wir erneut die Kreuzung des Starts – die erste von mehreren Schleifen. Es ging weiter zur Freiheitsbrücke und hinüber nach Neu-Zagreb. Bis etwa Kilometer 10 dominierte die Messe das Bild. Funktionale Architektur. Unschöne Hallen, große Flächen, wenig Grün.
Mittlerweile hatte sich die Sonne durchgesetzt, und ich begann, meine Kleiderwahl zu bereuen – schwarze, lange Kleidung, zumindest an den Armen, war nun alles andere als ideal. Weiter ging es entlang der Avenija Dubrovnik und der Ulica Jozefa Antalla, vorbei an der Universität und dem Hippodrom, wo Pferde, auf den Rennbahnen frei grasend, das Läuferfeld beobachteten.

Erneut die Savebrücke erreicht, überquerten wir diese jedoch nicht, sondern liefen die Strecke hinter dem Deich der Save entlang – dadurch leider mit wenig Blick auf den Fluss. Rechts von uns befand sich der Bundek-Park mit seinem gleichnamigen See. Der See hat einen langen Weg von einer ursprünglichen Kiesgrube und dem wilden Strand bis zum jetzt weitläufigen Landschaftspark und dem beliebtesten Naherholungsgebiet der Zagreber Bevölkerung durchlaufen. Aufgrund der vielen Bäume und Gebüsche sahen wir aber auch diesen See leider nicht.
Bei Kilometer 12 erreichten wir den Stadtteil Središće, auf der anderen Seite des Parks – und wieder schloss sich eine Schleife. Kurz darauf ging es erneut über die Brücke zurück Richtung Zentrum. Doch das Ziel ließ noch auf sich warten.
Am Park der Fontänen angekommen, wurde klar warum. Die Strecke teilte sich in „Finish“ und „2nd Lap“. Also noch einmal raus für die zweite Runde.
Die letzten sieben Kilometer wurden zur mentalen Herausforderung. Endlose, schnurgerade Straßen, riesige Kreuzungen und ständig das Gefühl, hier schon einmal gewesen zu sein. Es fühlte sich an, als würde ich auf der Stelle laufen.












Noch einmal über die Brücke, noch einmal wenden, noch einmal zurück. Ich nahm an der Verpflegungsstation Wasser auf und versuchte, das Tempo zu halten.
Da meine Uhr ohnehin mehr Distanz anzeigte als die offiziellen Kilometer, nutzte ich auf den letzten Metern die engere Linie der „2nd Lap“-Spur. Kurz vor dem Ziel zog ich noch einmal an – und erreichte nach 1:56:31 Stunden die Ziellinie.
Meine Wunschzeit lag eher bei 1:50 Std., doch die monotone Strecke und die äußeren Bedingungen hatten ihren Anteil an meiner Verspätung. Meine Pace konnte ich insbesondere hinten raus nicht stabil halten und entwickelte mich von rund 5:15 min/km zu 5:35 min/km und darunter. Im Schnitt lag ich am Ende bei 5:30 min/km, was auf 21 Kilometer sicher auch respektabel ist. Man wird nicht jünger!
Am Ende bedeutete das Ergebnis Platz 608 von 1.245 Finishern, Platz 88 in meiner Altersklasse (von 145) und Rang 501 (von 841) bei den Männern.
Im Ziel gab es eine Medaille und diverse Getränke – ebenso unspektakulär wie die Startnummernausgabe. Nach kurzer Erholung machte ich mich auf den Rückweg zum Hostel, nutzte dort noch einmal die Dusche und trat anschließend die Heimreise an.











Am Flughafen: wieder viel Platz, wenig los. Am Nachmittag ging es zurück nach Deutschland – erfolgreich gefinisht, mit heilen Füßen und einigen bleibenden Eindrücken.
Der ZAGREB21 bietet eine schnelle, wenn gleich nicht unbedingt sehenswerte Strecke, dafür eine herrlich schöne Altstadt, eine entspannte Atmosphäre und eine Organisation, die lediglich das Nötigste beinhaltet. Eine Expo, Verkaufsstände und Werbestände für andere Veranstaltungen sucht man ebenso vergebens wie eine Pastaparty und die hilfreichen Pacer – zumindest habe ich diese nicht gesehen.
Wer im Frühjahr jedoch eine gute Gelegenheit für eine starke Halbmarathon-Zeit sucht und gleichzeitig eine neue Stadt entdecken will, sollte dieses Rennen definitiv auf dem Zettel haben. Für mich war es trotz mentaler Herausforderung ein rundum gelungener Wettkampf – mit einer Zeit, die sich für mich sehen lassen kann, und einem Erlebnis, das definitiv in Erinnerung bleibt.
Euch wünsche ich nun allzeit gute Läufe!