Check: Mizuno Neo Vista II – Futuristischer Supertrainer mit überraschend viel Stabilität

Werbung. Der Hersteller hat mir das Produkt für diesen Testbericht auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Der Beitrag ist frei verfasst und gibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen wieder.

Es gibt Marken, die begleiten einen als Läufer gefühlt ein Leben lang. Salomon, Nike, Adidas, oder auch Saucony – alles bekannte Größen in meinen Tests – die einen häufiger, die anderen weniger.

Und dann gibt es Marken, die man irgendwie immer „auf dem Schirm“ hatte, ohne sie jemals wirklich intensiv gelaufen zu sein. Genau so ging es mir mit Mizuno. Häufig gesehen, viel darüber gelesen, aber einen Mizuno gelaufen? Fehlanzeige.

Dabei gehört das japanische Unternehmen längst zu den traditionsreichsten Sportartikel-herstellern der Welt. Gegründet wurde Mizuno bereits 1906 in Osaka. Die Marke steht seit Jahrzehnten für hochwertige Verarbeitung, technische Innovationen und vor allem für ihre legendäre Wave-Technologie.

Trotzdem, ein Mizuno-Test fehlte bislang auf runningblog.de. Bis jetzt. Und ehrlich gesagt hätte ich mir kaum einen spannenderen Einstieg wünschen können als den neuen Mizuno Neo Vista II.

Schon beim Auspacken wird klar: Der Neo Vista II will kein gewöhnlicher Daily Trainer sein. Die massive Mittelsohle springt sofort ins Auge. Die aggressive Rocker-Geometrie und das sockenartige Knit-Upper wirken eher wie ein Konzeptschuh aus der Zukunft als ein klassischer Trainingsschuh. Optisch polarisiert er definitiv. Genau das macht ihn aber interessant.

Am Fuß fühlt sich der Neo Vista II überraschend weich und gleichzeitig stabil an. Für das Reinschlüpfen hat Mizuno sowohl an der nicht vorhandenen Zunge und am Schuhkragen Laschen angebracht, die helfen, dass man problemlos in den sockenartigen Schuh reinschlüpfen kann.

Mizuno kombiniert bei seinem Schuhaufbau eine doppelte Enerzy-NXT-Dämpfung mit einer glasfaserverstärkten Wave-Platte. Dazu kommt die sogenannte „Smooth Speed Assist“-Geometrie, die den Fuß extrem dynamisch nach vorne rollen lässt.

Bei der Außensohle setzt Mizuno auf die hauseigene X10-Gummimischung. Klingt zunächst unspektakulär, funktioniert in der Praxis aber richtig gut. Vor allem auf nassem Asphalt liefert der Neo Vista II überraschend viel Grip – etwas, das bei vielen modernen Supertrainern keineswegs selbstverständlich ist. Selbst bei Regen wirkt der Schuh sicher und kontrolliert.

Spannend ist auch der Aufbau der Sohle. Große Aussparungen reduzieren das Gewicht und erhöhen die Flexibilität, während die breite Plattform zusätzlich Stabilität bringt. Bei anderen Schuhen mit ähnlich massiven Sohlenaufbau hatte ich nach einiger Zeit das Gefühl, dass der Fuß schlingert. Das habe ich bei dem Mizuno keineswegs gehabt. Mizuno schafft es hier maximalen Komfort mit einer erstaunlich souveränen Straßenlage zu kombinieren.

Ergänzt wird der Aufbau durch die glasfaserverstärkte Wave-Platte im Inneren. Gut, dass Mizuno nicht auf eine aggressive Carbonplatte gesetzt hat. Der Neo Vista II bleibt dadurch geschmeidiger und alltagstauglicher als viele kompromisslose Superschuhe. Der Übergang läuft angenehm flüssig, fast schon schaukelnd (aber nicht instabil) – genau das macht den besonderen Charakter dieses Schuhs aus.

Das Obermaterial des Mizuno Neo Vista II ist aus meiner Sicht sehr gut gelungen.  Das Knit-Upper wirkt luftig, modern und insgesamt hochwertig verarbeitet. Zahlreiche kleine Belüftungsöffnungen sorgen dafür, dass der Schuh maximal atmungsaktiv ausfällt. Bereits beim ersten Laufen merkt man förmlich die Frische durch den Schuh ziehen – ein wichtiger Punkt bei langen Läufen im Sommer.

Besonders gelungen finde ich das sockenartige Tragegefühl. Der Fuß sitzt angenehm integriert im Schuh, fast wie in einem Performance-Sneaker. Gleichzeitig bietet das Upper erstaunlich viel Komfort ohne klassische Druckstellen. Wie bereits beschrieben, klappt auch das Reinschlüpfen in den Schuh problemlos, was bei dem feinen Schuhkragen nicht unbedingt zu erwarten wäre. Durch beidseits angebrachten Laschen kann man den Schuh über den Fuß ziehen. Dadurch sitzt der Fuß direkt exakt im Schuh.

Es gibt Kritiken, die die Passform als eher speziell bezeichnen. Schmale bis normale Füße profitieren vom engen Midfoot-Lockdown, während breite Füße den Schuh eventuell als etwas einengend empfinden könnten. Einige Tester berichten zudem von leichtem Fersen- oder „Ösendruck“, abhängig von der individuellen Fußform. Diese Kritikpunkte konnte ich persönlich allerdings nicht nachvollziehen und ich möchte behaupten, meine Füße sind schon speziell und was Druck angeht durchaus auch sensibel. Es kommt halt auch immer darauf an, wie man seine Schuhe schnürt.

Die Zehenbox ist durchaus als geräumig zu bezeichnen, was allerdings aus meiner Sicht gut für die Luftzirkulation ist und der Blasenbildung entgegenwirkt. Der Mittelfuß sitzt stabil und gut fixiert. Ich selbst nutze, nachdem ich die mitgelieferte Einlage entfernt habe, den Schuh mit meinen orthopädischen Einlagen. Diese sind problemlos zu verwenden und der Schuh wirkt dadurch nicht beengt, was ich nicht von jedem meiner Schuhe sagen kann.

Positiv fällt außerdem die Haltbarkeit des Materials auf. Das Obermaterial wirkt robust und langlebig – trotz des weichen Strickgefühls. Gerade für einen maximal gedämpften Trainingsschuh macht das einen sehr guten Eindruck.

Kommen wir jetzt mal zum spannenden Teil – der praktischen Anwendung.

Viele moderne Supertrainer versuchen möglichst alles gleichzeitig zu sein: weich, schnell, stabil, direkt, komfortabel. Der Mizuno dagegen hat Charakter. Er läuft sich eigenständig – und vor allem anders als viele seiner Konkurrenten. Schon bei lockeren Dauerläufen merkt man dieses federnde, fast trampolinartige Laufgefühl.

Die Dämpfung ist maximal weich, sackt aber nie unangenehm weg. Stattdessen entsteht ein angenehmer Vorwärtsdrang, der besonders auf längeren Läufen richtig Spaß macht. Auch hat man trotz der massiven Dämpfung das Gefühl, die Straße nicht vollends zu verlieren. Eine gewisse Direktheit bleibt bestehen und die Sohle hält den Läufer stabil auf Kurs.

Der Rocker funktioniert hervorragend. Wer sauber über den Mittelfuß läuft, bekommt einen unglaublich flüssigen Bewegungsablauf. Man rollt nicht einfach ab – man wird förmlich nach vorne gezogen. Was mich besonders angesprochen hat – Trotz der hohen Mittelsohle wirkt der Schuh erstaunlich kontrolliert. Die breite Plattform und die Wave-Platte stabilisieren deutlich besser, als man zunächst erwarten würde.

Für mich stellen derartige Schuhe immer auch ein Experiment für meine Füße dar. Ich benötige die Stabilität und kann mir Schlingern und Wegsacken an der Sohle nicht leisten. Insofern liefert der Mizuno Neo Vista II hier für mich perfekt ab.

Der Mizuno Neo Vista II ist sicherlich kein Schuh für Minimalisten. Er ist auch kein klassischer Daily Trainer. Er ist ein moderner Supertrainer mit maximaler Dämpfung und enorm viel Laufkomfort.

Bei schnellen Intervallen fehlt ihm logischerweise die direkte Aggressivität eines echten Carbon-Racers. Dafür ist er aber auch nicht konzipiert. Der Schuh fühlt sich eher wie ein luxuriöser Langstrecken-Cruiser an – gemacht für lange Tempodauerläufe, progressive Longruns und lockere Kilometer mit maximal viel Komfort. Genau dort glänzt er aber enorm.

Vor allem schwerere Läufer oder Marathonläufer, die einen gelenkschonenden Trainingsschuh suchen, dürften hier extrem glücklich werden. Ich bin es zumindest beim 2. dsm-firmenich Maastricht Half Marathon geworden. Bericht folgt!

Ich halte den Schuh besonders geeignet für:

  • lange Dauerläufe,
  • Marathonvorbereitung,
  • regenerative Einheiten und  
  • komfortorientierte Läufer.

Weniger geeignet ist der Schuh für:

  • kurze Bahnintervalle,
  • sehr direkte Tempoläufe und
  • Läufer, die ein bodennahes Gefühl bevorzugen.

Mizuno zeigt hier eindrucksvoll, dass die Japaner im modernen Supertrainer-Markt absolut mitspielen können. Vielleicht sogar mutiger als manche große Konkurrenz.

Wer einen charakterstarken Komfortschuh mit futuristischem Laufgefühl sucht, sollte den Neo Vista II definitiv einmal ausprobieren. Ich hoffe, ich werde zukünftig häufiger mal einen Mizuno unter die Füße bekommen.

Euch allzeit gute Läufe und eine angenehme Sommersaison!

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