Nova Poshta Kyiv Half Marathon 2017 – Entlang an den windigen Ufern des Dnjepr (21,1, km/HM)

Als ich meinen Bekannten Mitte letzten Jahre von meinem Plan erzählte, zu einem Lauf in die Ukraine nach Kiev zu fliegen, hielten mich einige nun vollends für „bekloppt“. Aber ich habe es schon einmal berichtet, fliegen wird immer günstiger und Europa wächst zumindest auf diesem Wege immer mehr zusammen. Eine Diskussion über den ökologischen Sinn dieses Unterfanges erspare ich uns an dieser Stelle mal, da man sicher alles zerreden kann.

Der Flug war günstig gebucht und mit Ukraine International Airlines ging es in schnellen zweieinhalb Stunden die rund 1.700 Kilometer nach Osten in die ukrainische Hauptstadt am Dnjepr.

Freitag abends kam ich in Kiev an. Vom Hostel aus hatte man mir einen Fahrer geschickt – klingt gut oder?  Die rund 20 Kilometer bis in die Stadt waren schnell geschafft. Dann bezog ich mein Zimmer im Dream House Hostel, welches ich aufgrund der Sauberkeit und des attraktiven Preises absolut empfehlen kann. Einen ersten Ausflug startete ich noch am Abend in den benachbarten Supermarkt und per Fahrt mit der Metro zum geschichtsträchtigen Majdan-Platz. Dann sollte es für die ersten Abendstunden in Kiev aber auch reichen. Der Tag war lang genug.

Am nächsten Morgen stand erst einmal das Abholen der Startunterlagen auf dem Programm. Dazu musste ich mit der Metro in die Kiever Vorstadt fahren. Hier, auf einem Expo-Gelände, gab es in Halle 2 eine Messe von allen relevanten Sportartikel-Ausstellern. Erst musste ich meine Versicheurngsunterlagen abgeben, dann gab es eine Erkennungsmarke, mit der ich dann meine Startunterlagen einen Stand weiter abholen konnte. Noch ein paar Fotos gemacht und es geht wieder zurück in die Stadt.

Nun stand Stadtbesichtigung auf dem Programm. Wieder Majdan, dann die Sophienkathedrale, das Michaelskloster und die sehenswerten Straßen von Alt-Kiev standen auf dem Programm. Dann folgte noch ein Ausflug an den Dnjepr und den Bogen der Völkerfreundschaft, einem Relikt aus der Sovjetzeit.

Der nächste Tag, der Sonntag, zeigte sich von seiner wettertechnisch besten Seite. Mein Hostel lag gerade einmal 200 Meter von der Startlinie am Kontraktowa-Platz entfernt, so dass ich erst rund 45 Minuten vor dem Start losgehen musste. Der Kontraktowa-Platz war gefüllt mit diversen Zelten der Sponsoren und einer großen Bühne, auf der schon ordentlich mit Musik eingeheizt wurde. Dies war auch erforderlich, da der Wind recht kühl daherkam. Das Startfeld war in Zeitblöcke eingeteilt. Wieso ich allerdings bei 2:00 Stunden eingeteilt war, erschloß sich mir nicht, da ich dies mit Sicherheit im Vorfeld nicht angegeben hatte. So stellte ich mich bei den Läuferkollegen mit 1:45 Stunden hin und wartete auf den kontrollierten Einlass.

Strecke_Kiew

Alles ging gut, keiner kontrollierte und dieser Plan war schon einmal aufgegangen. Es folgte die ukrainische Nationalhymne in einer, wie ich fand, etwas eigenwilligen Rock-Version. Dann ging alles relativ schnell und pünktlich fiel der Startschuss. Im hinteren Bereich haben wir dies an den schönen roten Luftballons gesehen, die sich gen Himmel erhoben. Aus dem Stadtteil Podil heraus, der mit als einer der schönsten Stadtteile Kievs gilt, liefen wir nun los Richtung Postplatz. Auf diesem bogen wir nach links ab und gelangten nach wenigen Metern an das Ufer des Dnjepr, der nun den weiteren Streckenverlauf maßgeblich bestimmte und begleitete. Rechts abgebogen liefen wir auf der vierspurigen Uferstraße, der Naberezhne Road, vier Kilometer aus der Stadt heraus.

Eine vierspurige Stadtautobahn klingt jetzt nicht gerade sexy, aber der Ausblick auf den Dnjepr und das Umland entschädigte schon. Es war halt mal wieder etwas ganz Neues und ein total anderes Umfeld, was alles eben interessant macht. Rund 600 Meter hinter der Metro-Brücke, wendeten wir und liefen auf der anderen Seite der Straße wieder zurück Richtung Stadt. Alle rund 500 Meter standen an den Seiten Musikgruppen, die die einzelnen Teilnehmerstaaten repräsentieren sollten. Von Klassik getragener Musik bis hin zu fetzigen Rock und Pop war hier alles vertreten. Deutschland habe ich aber 21,1 Kilometer lang nicht gesehen.

Nach rund 4 Kilometern erreichten wir dann wieder den Abzweig zum Postplatz. Diesen nutzten wir aber nicht, sondern liefen auf der Naberezhno-Rybalska Street weiter entlang des Dnjepr. Nach rund einem weiteren Kilometer bogen wir nach rechts auf die Havanskyi-Brücke ab, die uns über die breite Einfahrt zum Kiever Stadthafen führte. Hier hatten wir unsere erste „Bergwertung“ zu bewältigen. Brücken sind hier irgendwie immer etwas gigantischer als anderswo. Aber wir wurden von zahlreichen Zuschauern ordentlich angefeuert, so dass dieser Anstieg problemlos zu meistern war. Von on top of the bridge hatten dafür einen tollen Ausblick auf die etwas klobig und in allem etwas überdimensioniert wirkende Podil-Brücke, eine Stahl-Rundbogenbrücke mit recht markanten Stützfeilern, die wir nach exakt 10 Kilometern Wegstrecke erreichten.

Mit neuem Schwung ging es nun wieder von der Havanskyi-Brücke hinab und für rund zweieinhalb Kilometern weiter entlang des Dnjepr. Vor uns lagen riesige weiße Wohnburgen. Die netten Stadthäuser Kievs waren hier Geschichte. Über ein monströses Straßenkreuz, welches für uns zumindest auf unserer Spur abgesperrt war, bogen wir nach rechts ab und gelangten so auf die Moskauer-Brücke, die uns nun über den Dnjepr hinüber zur Truchaniw-Insel führte.

Auch diese Brücke war gigantisch hoch und breit, was natürlich dem Wind die Gelegenheit bot, uns ordentlich durch zu wedeln. Mit Blick auf den endlos breit wirkenden Fluss, durch den starken Wind und die ausgesetzte Lage wurde mir schon ein wenig mulmig zu Mute. Dennoch genoss ich die Frische und den tollen Blick. Mitten auf der Brücke merkte ich plötzlich meinen Oberfuß. Es hatte den Anschein, als ob meine Achillessehnenmanschette den Oberfuß einschnüren würde. Vermutlich war mein Fuß durch den Lauf dicker geworden. Das war eine Premiere, die ich gerade gar nicht gebrauchen konnte.

Ich lief erst einmal weiter und versuchte nicht an den Fuß zu denken, was mir auch ganz gut gelang. Bei Kilometer 14 befanden wir uns nun auf der Truchaniw-Insel. Hier liefen wir auf der verkehrsberuhigten und abgesperrten Trukhanivska-Straße für weitere 5 Kilometer über die gesamte Insel. Die Truchaniw-Insel ist eine 450 Hektar große Flußinsel im Dnjepr, die Teil des rund 1.600 Hektar großen Naherholungsgebiets Dnjepr-Park, ist. Größtenteils besteht die Insel aus Wald und soll die saubersten und längsten Strände der Stadt aufweisen.

Unsere Strecke schlängelte sich nun herrlich sonnengeschützt durch den Wald. Hier herrschte totale Ruhe. Keine Anzeichen mehr, dass wenige Kilometer vor uns wieder die knapp 3 Millionen Einwohner-Stadt Kiev liegt.

Bei Kilometer 19 erreichten wir den Strand der Truchaniw-Insel. Hier bekamen wir auch die Möglichkeit zu duschen und es wurden wieder reichlich Erfrischungen, wie auch schon alle 5 Kilometer im Vorfeld der Wegstrecke, angeboten. Danach folgte noch mal ein kleiner Anstieg auf die Parkbrücke und wir erreichten wieder die Naberezhne Road, auf der wir erst nach links abbiegen mussten, um dann nach ein paar Metern umkehren zu können um in die Stadt zurück laufen zu können.

In Höhe des Postplatzes liefen wir nun noch durch den Straßentunnel unter dem Kiever Schiffsanleger hindurch und bogen dann wieder nach links ab, um am Fairmont Grand Hotel zum Postplatz zu gelangen. Hier standen massenhaft Leute, die uns anfeuerten. Eine alte Dame klopfte mir mit einem kleinen Reisigbusch auf den Bauch. Im Rahmen des bevorstehenden Osterfests ist es scheinbar eine Tradition mit grünen Büschen in Richtung Kirche zu laufen und diese segnen zu lassen. Dies habe ich in Kiev überall gesehen.

Den letzten Kilometer bis zum Kontraktova-Platz und dem Ziel steig die Straße noch einmal mäßig an. Dies machte sich nach nunmehr 20 Kilometern in den Beinen durchaus bemerkbar. Dennoch konnte ich noch einmal Kräfte reaktivieren, vielleicht auch dank der alten Dame, und noch einmal durchziehen. Kurz vor dem Ziel Vollgas, vier Mitläufer noch überholen und dann unter großem Gejohle der Zuschauer über die Ziellinie hechten.

Mein Ziel, unter 1:50:00 Stunden zu bleiben, sollte geklappt haben. Mit brutto 1:51:00 kam ich über die Ziellinie, musste aber noch die Stauzeit beim Start bis zum Überqueren der Messungslinie abziehen. Die offizielle Nettozeit lautete dann 1:49:45. Top, ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss. Mit dieser Zeit erreiche unter den rund 2.900 Teilnehmern des Halbmarathons Gesamtplatz 990 und Platz 146 in der AK-Wertung.

Insgesamt starteten an diesem Morgen beim Nova Poshta Kyiv Half Marathon bei den verschiedensten angegebenen Läufen rund 9.000 Menschen. Neben dem Halbmarathon werden zudem auch ein 10, 5, 2 und 1 Kilometer-Lauf angeboten. Der Halbmarathon ist zudem Bestandteil der Laufserie Run Ukraine, die insgesamt 10 Läufe in der gesamten Ukraine anbietet. Informationen hierzu findet Ihr auf der Website von Run Ukraine.

Generelle Informationen zum Nova Poshta Halbmarathon findet Ihr auf der Website des Laufs, die zumindest in den wesentlichen Bereichen auch in Englisch verfügbar ist. Aufgrund der Sprachbarriere empfiehlt sich allerdings schon eine gute Vorbereitung, so dass man weiß, wo man was bekommt und vor allem, wie man an die entsprechenden Orte kommt. Habt Ihr Fragen, fragt ruhig, ich helfe gerne.

Und nun allzeit gute Läufe!

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2 Gedanken zu “Nova Poshta Kyiv Half Marathon 2017 – Entlang an den windigen Ufern des Dnjepr (21,1, km/HM)

  1. Du hast schon Recht: ein wenig bekloppt ist das schon… 😉 Aber gleichzeitig auch irgendwie cool. Ich hätte ja Sorge gehabt mich dort nicht zurecht zu finden und bei Sprache und Schrift auf Probleme zu stossen. Das geht ja bei der Metro schon los… War das echt so easy wie es sich liest?

    Liebe Grüße

    Thomas

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    1. Im Vorfeld war es schon ein wenig schwierig, da Kartenangaben oft in kyrillisch waren. Dann musste man zumindest mal die Orientierung versuchen hinzubekommen. Vor Ort funktioniert aber alles bestens, da die meisten Schilder und Hinweise auch in unseren Schriftzeichen vorhanden sind. Nur bei ganz weit draußen liegenden Metro-Stationen, wie bei der Sport-EXPO, da musste man sich dann vorher mal den Namen der U-Bahnstation für die Rückfahrt abfotografieren und vergleichen ;-). Aber insgesamt alles kein Problem, zudem die Menschen auch extrem hilfsbereit und freundlich sind.

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