Check: La Sportiva Bushido II – Agressiver Hingucker für felsiges Gelände (SP)

Wie fange ich diesen Testbericht an? Mit gemischten Gefühlen, soviel steht fest. Um es direkt vorweg zu nehmen, mit diesem Schuh bin ich schmerzhaft gestartet und versöhnlich geendet.

Mein letzter Test eines La Sportiva-Schuhs liegt nun schon 3 Jahre zurück. In unserer Zeit sind Sportschuhe kurzlebig und bieten ständig Neuerungen. Insofern war ich gespannt, was der Klassiker Bushido, jetzt in der zweiten Auflage, zu bieten hat.

Der erste Eindruck und die Verarbeitung waren sehr gut. Der Schuh besticht durch ein auffälliges Design, sowohl in Farbe als auch im Gesamtaufbau. Insbesondere sticht beim Bushido II die aggressive zweifarbige Außensohle deutlich hervor. Auch die große Schrift „La Sportiva“ ist zwar ein gelungenes Marketinginstrument, was man als Läufer erfolgreich zur Schau trägt, gleichzeitig aber auch eine stimmige Designvariante, die den Schuh von anderen abhebt. Der Schuh ist top verarbeitet und macht insgesamt einen ersten sehr soliden Eindruck.

Zum Thema Passform, Komfort und Schnürung bin ich zwiegespalten. Das erste Anziehen war bei weitem nicht so ein Selbstläufer wie bei anderen Schuhen. Dies liegt insbesondere an dem recht schmalen Aufbau des Schuhs. Obwohl ich wie immer bei der Schuhgröße eineinhalb Nummern mehr eingeplant hatte, also 47,5, hatte ich meine Schwierigkeiten in den Schuh zu kommen. Meine Einlagen konnte ich erst recht nicht einlegen, da ich ansonsten in den Schuh gar nicht mehr hereingekommen wäre. Der erste Lauf war dann in der Tat eine Qual. Nach drei Kilometern fing meine Fußsohle an zu brennen. Das habe ich noch nie gehabt bei neuen Schuhen. Was also machen? Ich habe die Einlegesohle herausgenommen und versucht so weiterzulaufen. Dies funktionierte dann auch einigermaßen, allerdings erneut nur für drei Kilometer. Dann wieder Sohle rein und wieder drei Kilometer gelaufen. Am Schluss hatte ich 12 Kilometer auf der Uhr und war froh, den ersten Lauf beendet zu haben.

Was auch mir direkt klar wurde ist, dass der Bushido sehr viel Protektion und eine gute Portion Steifigkeit mitbringt. Die Zunge wirkt hingegen recht dünn. Die Schnürung ist klassisch mit Schnürbändern, die nicht zu lang sind, so dass eine fehlende Senkeltasche, wie es sie zum Beispiel bei Salomon gibt, nicht ins Gewicht fällt. Die Schnürsenkel wirken etwas steif, was die Gefahr birgt, dass diese sich während des Laufs lösen. Mit einem Doppelknoten, den ich sowieso immer verwende, gibt es allerdings keine Probleme und die Schuhe sitzen bombenfest am Fuß. Die spezielle Schnürung in Zusammenarbeit mit dem deutlich erkennbaren TPU-Skelett an den Seiten, ermöglicht die gleichmäßige Verteilung des Druckes auf dem Spann. So sitzt der Schuh wie angegossen.

Grip und Stabilität sind beim Bushido II Bestandteil der DNA. Allein das aggressive Design der Sohle vermittelt, wo sich dieser Schuh wohl fühlt und welches Terrain bevorzugte Spielwiese ist. Sowohl auf steinigem Untergrund als auch auf matschigen Waldwegen hatte ich nie das Gefühl, keine Kontrolle über meine Schritte zu haben. Die Sohle greift absolut und Rutschen gibt’s nicht. Wege aus Asphalt sind hingegen eher nichts für diesen Schuh.

La Sportiva setzt bei Ihren Sohlen auf sogenannte FriXion®-Gummimischungen. Diese wurden entwickelt, um Schuhprofile mit unterschiedlichem Halt und Langlebigkeit, je nach Art des Einsatzes und des Untergrundes, anbieten zu können. Insgesamt gibt es 5 verschiedene Gummimischungen, welche im Bereich Mountain Running und Klettern zum Einsatz kommen. Beim Bushido II wurde die FriXion®-Red verbaut, die auf einer Skala von 1-10 im Bereich Gripp und Langlebigkeit mit einer 6,7 bewertet wird.

Das Impact Brake System soll durch die spezielle Anordnung der Profilnoppen eine erhöhte Bremsleistung gewährleisten und gleichzeitig mehr Dämpfung bieten. Der negative Effekt, der beim Aufprall mit dem Untergrund entsteht, wird dabei minimiert. Durch die besondere Anordnung der Noppen, treten einige frühzeitig in Kontakt mit dem Untergrund und dadurch soll der Aufprall des Schuhprofils weicher werden. Ein System, dass sich in der Vergangenheit bei vielen Schuhen aus dem Hause La Sportiva bewährt hat. Kleines zusätzliches Highlight des Schuhs – wem die Sohle immer noch nicht genug Grip hat, der kann die Schuhe optional mit dem A.T. Grip Spike Kit ergänzen.

Im Inneren des Schuhs findet sich eine Ortholite Ergonomic Schuheinlage, die grundsätzlich den männlichen oder weiblichen Füßen angepasst ist und mit verschiedenen Materialien hergestellt wird. Auch spielt das relative Durchschnittsgewicht des Verwenders des Schuhs eine Rolle. Grundsätzlich soll die Sohle eine verbesserte Atmungsaktivität sicherstellen, somit bei der Schweißbeseitigung helfen und zudem den Schuh durch übermäßiges Zerdrücken des Materials schützen und langlebiger machen. Die Innensohle ist waschbar und dient damit einer verbesserten Fußhygiene. Im Bushido II weißt die Innensohle eine Dicke von 4 mm auf.

Für den weiteren Komfort sorgt ein 4 mm dickes komprimiertes EVA in der Zwischensohle, welches im Vorfußbereich zweilagig besteht und den Schuh mehr Dämpfung und Schutz verleihen soll.

Das Obermaterial des Bushido II besteht, wie bei vielen anderen Schuhen auch, aus einem luftigen Meshgewebe, dem atmungsaktiven Air Mesh. Im Vorfuß fällt die Verklebung der Zehenbox auf. Dieses zusätzliche Gummi schützt vor Schlägen durch Wurzeln und Steinen.

Fazit. Der Bushido II ist eine technische und ästhetische Evolution seines Vorgängers und insbesondere geeignet für kurze bis mittellange Touren oder Skyruns. Das Hauptaugenmerk des Schuhs liegt auf der Sohlenkonstruktion. Sie ist es, die dem Bushido nicht nur vom Design, sondern auch von den technischen Finessen her, sein Alleinstellungsmerkmal verleiht.

Nach diversen Kilometern im Test konnte ich auch meinen Frieden mit diesem extravaganten Schuh schließen. Zu Beginn wurden wir keine Freunde, wir mussten uns erst aneinander gewöhnen. Hinten raus schließlich haben wir uns verstanden und den einen oder anderen schönen Trail gelaufen.

Bei der Namensgebung des Schuhs zielt La Sportiva übrigens nicht auf den Berliner Rapper ab, auch wenn der gelegentlich ähnlich aggressiv daherkommt, sondern auf die japanische Wortherkunft: Weg (do) des Kriegers (Bushi).

Euch allen allzeit gute Läufe!

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