Norwegian Trailrun – Zu Besuch in Europas letzter Wildnis, der Hardangervidda (12 km)

Die Hardangervidda ist ein Plateaufjell  in Norwegen und die größte Hochebene Europas. Über eine Fläche von zirka 8.000 km² erstreckt sich die Hardangervidda, im Mittel mit einer Höhe zwischen 1.200 und 1.400 Metern. Der Gebirgskamm Sandfloegga ist mit 1.721 Metern die höchste Erhebung der Hochebene.  Kurz gesprochen, die Hardangervidda gilt als die letzte wahre Wildnis Europas.

Ist man einmal da, spürt man schnell die Weite und die Stille. Ausgenommen, man stellt sich an der RV 7 ab, die den nördlichen Teil der Hardangervidda durchstreift. Mit einem Wohnmobil hat man da keine andere Wahl, aber zu Fuß, mit dem entsprechenden Werkzeug an den Füßen, kann man sich relativ schnell in die Wildnis verabschieden. Dies war der Plan und dieser wurde umgesetzt.

Von unserem Stellplatz aus, der auf 1.043 Meter Höhe gelegen war, hatten wir einen tollen Blick in das riesige und breite Bjoreidalen, das durch den Fluss Bjoreio geprägt wurde. Für meinen Trip hatte ich mir aber eine Route auf der anderen Seite ausgesucht, die mich in das Hochland führen sollte.

Am nächsten Morgen war das Wetter dann leider alles andere als gut. Es regnete und die Wolken hingen extrem tief. Macht nichts dachte ich und entschied mich dennoch loszulaufen. Meine Salomon-Schuhe bestanden zum Glück aus einem wasserdichten Gore-Tex-Material, welches hervorragend funktionierte.

Strecke Hardangervidda

Zuerst musste ich ein wenig an der Straße, der RV7, entlanglaufen. Dies tat ich auf der Gegenfahrbahn, da ich zumindest sehen wollte, wenn es eng werden würde. So früh am Morgen war aber noch gar nichts los und so ging alles reibungslos von statten. Nach rund eineinhalb Kilometern lag dann auf der linken Seite ein See namens Repsetjörnane. Hinter diesem bog ich von der Straße in einen kleinen Pfad ab, der mich in das Hochland führen sollte. Hier sollte von nun an von festem Trampelpfad über sumpfige Passagen bis hin zu Geröll, Blockwerk und Fels alles dabei sein. Eben ein echter Trail.

Grob hatte ich meine Runde geplant, sofern dies hier überhaupt verlässlich möglich erschien. Denn immerhin war hier Wildnis. Aber über Maps.Me, einem erstaunlich detaillierten Offline-Kartenmaterial, hatte ich eine gute Übersicht und war dabei echt erstaunt, dass wirklich jeder kleinste Pfad verzeichnet war.

Höhenprofil

Für rund weitere eineinhalb Kilometer folgte ich dem Pfad. Rechts und links sah man in der Ferne immer mal wieder kleine Hütten, die als Unterschlupf für Bauern und ihre Tiere dienten oder aber zu kleinen Ferienhäusern umfunktioniert worden waren. Nach rund drei Kilometern kam ich an eine Weggabelung. Ein Wegweiser zeigte mir den Weg auf den Kjeldebu, einen kleinen „Berg“ an, der sich direkt vor mir befand.

Warum nicht da hoch laufen und die Aussicht genießen. Also folgte ich dem Pfad, der nunmehr nur noch zwei Fuß breit war. Er führte mich langsam um den Berg herum und dann immer höher hinauf. Oben angekommen, konnte ich schön in die Umgebung schauen. Hier befand ich mich jetzt auf einer Höhe von 1.158 Metern. Nun ging es wieder hinab in die Senke, aus der ich gekommen war.

Unten angekommen, hatte ich nun den Berg einmal umrundet. Jetzt wieder nach Hause? Nein, da ging noch was. In Maps.Me konnte ich einen Weitwanderweg erkennen, den ich mir nun für die nächsten zwei Kilometer noch vornahm.

Der Pfad führte mich immer weiter auf der Hochebene entlang. Links und rechts waren Erhebungen, an deren Flanken ich weiterlief. Markierungen oder dergleichen gab es nicht. Entweder war dies eben ein Weg oder aber die Autobahn der Schafe und sonstigen Hochlandviecher, die hier für gewöhnlich wohnten. Bei Kilometer 6 erreichte ich erneut einen kleinen See, den Venetjörna.

Der Pfad führte nun direkt am Wasser entlang und entsprechend matschig war das ganze Unterfangen. Ich beschloss hinter dem See noch einen Kilometer weiter zu laufen und dann umzukehren.

Zurück ging es dann mit neuer Sicht auf dem Weg, den ich gekommen war. Glück mit dem Wetter hatte ich auch. Die Wolken hingen zwar recht tief, aber es regnete nicht mehr. Lediglich der Nebel gab Feuchtigkeit ab, was aber eher erfrischend positiv wirkte als störend kalt. Nach insgesamt 12 Kilometern Wegstrecke erreichte ich dann wieder unser WoMo und das Frühstück konnte beginnen.

Mein nächster Lauf führte mich nach Rjukan im Telemark. Hier musste es mal ein wenig vertikal zur Sache gehen. Dazu aber später mehr. Allzeit gute Läufe!

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