3. La Sportiva Sauerland Trailrun – Anspruchsvoller Rundkurs über Lennestadt-Altenhundem (21,1 km)

Am vergangenen Wochenende hatte ich für mich den 3. La Sportiva Sauerland Trailrun über die Halbmarathondistanz geplant. Zu adäquater Zeit, nämlich um 10:30 Uhr auf einem Sonntagfrüh, sollte der Lauf starten. Also nahm ich die eineinhalb Stunden Fahrt auf mich und schlängelte mich nach einer schnellen Autobahnfahrt über die letzten Kilometer durch die Sauerländer Berge nach Lennestadt.

Direkt am Ortseingang konnte ich schon Start- und Zieleinlauf erkennen. Praktisch, genau hier befand sich auch ein Parkplatz, der noch komplett leer war. Insgesamt war ich überrascht über das recht überschaubare Teilnehmerfeld. Gerade einmal 48 Teilnehmer hatte der Lauf. Da hatte ich ehrlich gesagt mehr erwartet. Und um das vorwegzunehmen – der Lauf hätte auch absolut mehr verdient. Dazu aber gleich mehr.

Ich holte meine Startnummer und ging dann noch ein wenig durch das noch schlafende Lennestadt-Altenhundem hinauf zur Grundschule. Hier befanden sich Toiletten, Duschen und Umkleidekabinen. Als ich zurückkam, war das Teilnehmerfeld vor dem großen Start- und Zielbogen versammelt und wartete auf den Start. Um punkt 10:30 Uhr erfolgte der Startschuss und es ging los.

Ich hatte mich bewusst hinten eingeordnet, da ich lieber das Feld von hinten aufrollen wollte als ständig überholt zu werden. Diese Entscheidung war goldrichtig – wie sich zeigen sollte. Wir liefen los und überquerten die Lenne. Dann führte uns der Weg auf asphaltierten Untergrund ein Stück weiter entlang der Lenne, um dann nach 800 Metern zu einem Single Trail zu werden. Hier hatte sich das Feld bereits gut auseinandergezogen.

Ziemlich unvermittelt mussten wir nach rund eineinhalb Kilometern gemächlicher Wegstrecke nach rechts abbiegen. Den Abzweig hätte ich fast übersehen und auch in dem Moment, als ich ihn bemerkte, erkannte ich nur Stein. Wie eine Mauer lag da der Weg vor mir. Ich musste erst einmal ordentlich nach oben schauen, um den Weg verfolgen zu können. In der Spitze folgten nun von jetzt auf gleich rund 26 % Steigung und dies auf einem teils verwurzelten und steinigen Gebirgspfad von gerade einmal 700 Meter Länge. An Laufen war hier nicht zu denken – zumindest nicht für mich – also ging ich weitestgehend Schritt mit vereinzelten Laufpassagen. Nach rund 2,3 Kilometern erreichte ich einen Wirtschaftsweg, auf dem es dann leicht ansteigend weiter nach oben ging.

Strecke_Sauerland Trailrun

Nach ca. 3 Kilometern kam dann die erste kleine Verpflegungsstation, die ich auch dankend annahm. Ich hatte zwar meine Trinkweste dabei, aber da der Weg noch weit war und ich nicht wusste, was noch alles kommt, war ich froh, hier Station machen zu können.

Relativ eben ging es auf dem Wirtschaftsweg am Hang entlang weiter. Kurz vor Kilometer 6 folgte dann ein weiterer deutlicher Anstieg, der allerdings mit gerade einmal 10 % Steigung im Vergleich moderat ausfiel. Kurz nach diesem Anstieg musste man dann entscheiden, ob man die 21,1 Kilometer durchhält oder doch lieber wieder abbiegt und es bei 11 Kilometern belässt. Aufgeben war keine Option, also ging es weiter. In der Nachschau betrachtet, war der schlimmste Abschnitt auch tatsächlich der Anstieg gleich zu beginn.

Ich folgte nun dem Wirtschaftsweg, kreuzte bei Kilometer 7 eine Straße und fand mich unvermittelt auf einem Waldpfad wieder. Hier musste man sehr aufpassen, da es ab und zu feucht und der Weg mit Wurzeln durchsetzt war. Dann verließ ich den Nadelwald und es ging am Rande des Waldes weiter durch die Wiesen. Der Weg war nun gerade einmal einen Fuß breit. Nach 8,5 Kilometern traf ich wieder auf einen Wirtschaftsweg und eine Gabelung. Hier ging es nicht auf diesem Wirtschaftsweg weiter, sondern ich musste den rechten Weg nutzen, der zum einen durch Forstwirtschaft arg gebeutelt war, aber auch steil anstieg. In der Spitze 14 % Steigung waren zu erklimmen, dies aber nur auf einem kurzen Stück.

Bei Kilometer 9,5 folgte dann die Wendemarke und ich musste abrupt nach rechts abbiegen, um am Wald entlang durch Wiese und hohe Gräser zurück zu einem Wirtschaftsweg zu laufen. Diesen lief ich nur kurz, um dann nach rechts in eine Waldschonung abzubiegen. Hier ließ ich ein wenig schnellere Läufer vorbei, wobei sie so schnell auch nicht waren. Später überholte ich diese wieder und ließ sie hinter mir zurück.

Die großen Anstiege waren nun vorbei und jetzt mussten nur noch Metergemacht werden. Bei Kilometer 12,5 folgte ein heftiger Abstieg, der ein Gefälle im Maximum von 28 % aufwies. Wie hier manche wie die Irren an mir vorbeizogen, war mir rätselhaft. Der Weg war alles andere als plan. Ziemlich schotterig, stufig und uneben. Ich erinnerte mich wieder an den Hermannslauf, als man uns warnte, bei Gefälle langsam weiter zu laufen, da die Muskeln sonst irgendwann dicht machen. Und es kam so, wie es kommen musste. Die Raser wurden durch gleichmäßiges Laufen eingeholt und überholt.

Von Kilometer 13 bis 16 kam dann noch mal ein Steigungsabschnitt, der im Maximum ein kurzes Stück mit 18 % aufwies. Dies war kurz hinter der Meggener-Hütte des Sauerländischen Gebirgsvereins. Dankenswerter Weise wies man mich darauf hin, dass es danach nur noch bergab ginge.

Kurz vor Kilometer 20 kam ich dann aus dem Wald heraus, kreuzte den Weg mit dem ersten Steigungsabschnitt und hatte einen tollen Ausblick auf Lennestadt-Altenhundem. Beim Aufstieg hatte ich dafür keinen Blick. Jetzt noch den Wirtschaftsweg runter laufen, zwei drei Kurven mitnehmen und ich sah die Lenne mit der Brücke. Auf dem Weg waren die letzten 500 Meter eingezeichnet und dann war das Ziel ganz nah und schnell erreicht.

Nach 2:19:35 Stunden überschritt ich die Ziellinie. Mit Gesamtplatz 42 von 48 gewerteten Teilnehmern fand ich mich zwar im hinteren Feld wieder, aber dennoch war ich mit meiner Zeit mehr als zufrieden. Gegen die einheimischen Gebirgsgämsen hatte ich eh keine Chance. Und wenn ich die Pace mit dem Hermannslauf vergleiche, wo ich im Schnitt mit 6:29 Minuten je Kilometer unterwegs war, dann sind nun 6:37 Minuten je Kilometer gar nicht schlecht. In der AK-Wertung wurde ich bei 7 Teilnehmern stolzer letzter und in der Genderwertung reichte es für Platz 34 von 37. Neben Getränken gab es im Ziel auch eine Medaille, die diesmal aber nicht aus Metall war, sondern aus einer Baumscheibe bestand.

Vor dem Hintergrund, dass manche Läufe derart gehypt werden, muss ich feststellen, dass der Sauerland Trailrun nun wirklich eine echte Herausforderung ist. Der Hermannslauf hat sicher die eine oder andere Schikane, erfordert aber eher wegen der Länge eine gewisse Kondition. Der Sauerland Trailrun stellt über 21,1 Kilometer eine kontinuierliche Herausforderung dar, da es permanent hoch und runter geht, dies aber immer anspruchsvoll und durchaus auch auf wechselnden Untergründen. Hier muss man durchgängig auf der Hut sein, muss sehen, dass man seine Beine unter Kontrolle hat, die Füße richtig setzt und die Kraft vernünftig auf die Strecke bringt. Zwischenzeitliches lospacen in Gefällepassagen wird gnadenlos bestraft.

Der Sauerland Trailrun ist ein noch absolut familiärer Lauf, bei dem alle warten, bis der Letzte die Ziellinie überquert hat. Dem Lauf wünsche ich dennoch, dass er zukünftig mehr Zuspruch erfährt, da die Strecke wirklich top ausgewählt ist, durch eine herrlich ruhige Landschaft führt und in jeder Hinsicht anspruchsvoll ist. Eben ein echter Trailrun!

Informationen findet Ihr auf der Website des Sauerland Trailrun. Sieht man sich im nächsten Jahr? Die Anmeldung für 2023 ist bereits freigeschaltet. Jetzt erst einmal allzeit gute Läufe!

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