5. SOPAL Sfax Marathon International des oliviers – 21 Kilometer am Palais Bechka durch die tunesische „Steppe“ (2) (21,1 km/HM)

Frühmorgens ging es von Sfax hinaus in die tunesische Steppe Richtung Menzel Chaker. Kurz vor diesem kleinen „Ort“ bog ich nach links ab und erreichte nach wenigen Kilometern das Palais Beschka. Das Palais war das Wohnhaus des ersten tunesischen Präsidenten Habib Bourghiba. Ich wusste dies nicht und zu erkennen war dies tatsächlich auch nicht mehr.

Erfrischend kalt war es an diesem Morgen, aber das sollte sich noch schlagartig ändern. In Beschka angekommen, stand die Sonne bereits schon deutlich höher und ich konnte erahnen, hier draußen zwischen sandigen Feldern, zählt nicht nur die Temperatur, die bei rund 20 Grad lag, sondern auch das, was von oben auf einen drauf scheint – und dies tat die Sonne mit aller Macht.

Die 5. Ausgabe des Sfax Marathon International des oliviers (Marathon der Olivenbäume) ist ein 100 % grünes Rennevent. Umgeben von 600 Hektar Olivenbäumen im Herzen der tunesischen Olivenölproduktion, findet sich der Laufkurs, der die Landstraße C119 nutzt, wieder. Der Lauf ist komplett autofrei.

Die Strecke ist simpel erläutert. Vor dem Palais Beschka, auf der Landstraße befindet sich die Start- und Ziellinie. Zuerst ging es rund 6 Kilometer Richtung Sfax zurück. Die Straße ist asphaltiert, wobei der Asphalt nicht so glatt und fein ist wie bei uns, sondern eher grober und poröser. Dies machte das Laufen anspruchsvoller, da man die Unebenheiten deutlicher spürte. Die Strecke verlief relativ eben, wobei immer mal wieder längere Auf und Ab’s zu verzeichnen waren. Nach 6 Kilometern stand mitten auf der schnurgeraden Piste eine Wendemarke und es ging zurück.

strecke-sfax

Bis zum Wendepunkt der 5 und 10 Kilometer-Läufer waren wir ein großes Feld. Danach waren wir plötzlich allein und man konnte die unmittelbaren Mitläufer an einer Hand abzählen. Zudem eine schnurgerade Piste durch die Steppe. Fehlte am Ende nur noch die bekannte Fata Morgana. Helfen tat hier sicher auch eine gewisse mentale Stärke.

Unterwegs sahen wir nur Sand, Steine und eine Schafherde, die glücklicherweise die Straße erst nach mir kreuzte. Nach weiteren 6 Kilometern Laufstrecke erreichten wir wieder das Palais Beschka, wo ich nach knapp einer Stunde die Messpunkte passiere.

Nun ging es rund viereinhalb Kilometer über die C119 in die andere Richtung zurück, Richtung Route Menzel Chaker, die ich morgens aus Sfax kommend gefahren war. Diese Passage unterschied sich deutlich von den ersten 12 Kilometern. Links und rechts standen tausende Olivenbäume und es ging auch erst einmal rund 40 Höhenmeter nach unten. Dies bedeutete schließlich aber auch, ab Kilometer 17 ging es dann auch wieder ordentlich bergauf Richtung Zielgerade.

Kilometer 17 war sowieso mein persönlicher Wendepunkt des guten Gefühls. Ab jetzt ging es stetig bergan, die Sonne knallte unerbittlich ins Gesicht. Der zuerst noch vorhandene leichte Wind war weg und zu guter Letzt – ich konnte nicht mehr. Von Wasserstation zu Wasserstation kämpfte ich mich auf der groben Asphaltpiste Richtung Ziel. Datteln und Rosinen griff ich bei jeder der Stationen ab und nahm sie auf meinem Trip dankend mit. Die alle 200 Meter stehenden Volunteers meinten es sicher gut, aber mich nervte mein Verlangen, mich ständig für die Anfeuerung bedanken zu wollen. Hatte ich nicht gerade andere Probleme?

Die letzte Kurve wurde durchlaufen. Nun war es noch ein knapper Kilometer. Meine Uhr zeigte mir, dass ich mein Ziel, unter zwei Stunden zu bleiben, noch schaffen konnte. Also alle Rosinen und Datteln auf einmal rein stopfen und los ging’s.

Dann war es geschafft. Mit einer Zeit von 1:58:49 min. erreichte ich auf dem Gesamtplatz 21 das Ziel. Unter den Männern belegte ich Platz 16. Insgesamt erreichten 37 Läuferinnen und Läufer über die Halbmarathondistanz das Ziel.

Beim Marathon erreichten ganze 19 Läuferinnen und Läufer im Ziel. Den größten Zuspruch ernteten die Läufe über 10 und 5 Kilometer. Hier erreichen 29 bzw. 172 Läuferinnen und Läufer das Ziel. Es zeigte sich damit, der Laufsport steht in Tunesien noch am Anfang und die kurzen Strecken sind somit teilnehemerstärker.

Der 82-jährige Mohamed hatte seine 10 Kilometer übrigens auch geschafft. In einer Zeit von 1:20:36 min. Er stand relaxed an der Ziellinie und wirkte völlig entspannt. Was eine Leistung!

Der Lauf an sich war top organisiert, vergleichbar mit Läufen in unseren Breiten. Es wurde eine morgendliche Transportmöglichkeit von Sfax nach Beschka und zurück angeboten. Ferner gab es reichlich Getränke, Datteln und Rosinen. Während des Laufs war man nie allein. Alle 200 Meter stehen Volunteers an der Strecke und feuerten an bzw. beobachteten die Läufer. Es gab begleitende Ambulanz und medizinische Versorgung entlang der kompletten Route sowie physiotherapeutische Unterstützung an der Ziellinie. Besonders interessant für die Übersee-Läufer ist, das Gepäck, wenn man nicht gerade mit dem Leihwagen anreist, wurde gesichert und betreut.

Ich kann den Marathon der Olivenbäume nur empfehlen. Es ist wahrlich ein Lauf bei Freunden. Und wenn man sich darauf einlässt, ist man mitten drin, statt nur dabei. Infos zu diesem Lauf findet Ihr auf der Website von Sports Mediterranean Event’s Tunisia, auf deresn Facebook-Präsenz, auf der Blogseite von Julie Al-Zoubi oder aber auf der Seite der Olive Oil Times.

Wenn Ihr Fragen zur Organisation habt oder wie man am besten wohin kommt, fragt einfach. Allzeit gute Läufe!

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