Laufbericht: 26. Split Halbmarathon – Dem Sturm zwischen Adria und Altstadt getrotzt (21,1 km/HM)

Es sollte der Auftakt in die neue Laufsaison werden – das hat funktioniert.
Es sollte ein frühlingshafter Lauf an der Adria werden – das eher nicht.

Ankommen im grauen Süden

Donnerstagnachmittag landete ich in Split. Der Flughafen wirkte überdimensioniert, unsere Maschine stand allein auf dem Vorfeld. Mit dem Bus ging es weiter in die Stadt – 50 Minuten durch eine Landschaft, die eher nach Spätwinter als nach mediterranem Frühling aussah.

Regen, Wind, 10 Grad. Mein am Vortag gekaufter Notfallschirm erwies sich als Wegwerfprodukt – nach wenigen Minuten war er reif für den Mülleimer. Ich erinnerte mich an den Spruch eines Australiers: „Echte Männer brauchen keinen Schirm.“ Nun gut.

Freitag kam dann doch die Sonne raus. Ich nutzte die Gelegenheit, die Altstadt und das nahegelegene Trogir zu erkunden. Kaum Touristen, viel Ruhe – perfekte Bedingungen für Fotos. Am Abend holte ich auf der Expo an der Riva meine Startunterlagen ab. Im Beutel: ein auffällig blau-gestreiftes Shirt, das eher an Marineuniform als an klassisches Laufdesign erinnerte. Mutig – aber definitiv ein Hingucker. Ferner fanden sich im Beutel diverse Goodies von Sponsoren des Laufs.

Der Samstag blieb wechselhaft. Ich wanderte auf den Waldpark Marjan, blickte von oben auf die Stadt und hoffte, dass der Wettergott für Sonntag wenigstens etwas Gnade zeigen würde. Am Nachmittag kam der Regen zurück und ich besuchte den Diokletianplast, der im 3. Jahrhundert nach Christus durch den römischen Kaiser Diokletian zwischen 295 bis 305 n.Chr. als Altersruhesitz in einer Rekordzeit von ungefähr 10 Jahren erbaut wurde und heute maßgeblich die Altstadt von Split prägt.

Start im Sturm

Sonntag, 9 Uhr. Stark bewölkt, böiger Wind, gefühlte 5 Grad. Bestes Läuferwetter – sobald man sich bewegt.

Die Marmorplatten der Riva waren spiegelglatt. Schon auf den ersten Metern hieß es: kleine Schritte, volle Konzentration. Ich sortierte mich in Startblock B ein und suchte den 1:50-Pacer. Die Bedingungen waren hart, aber nicht unmöglich. „Das könnte heute trotzdem gehen“, dachte ich.

Mit dem Startschuss um Punkt 9 Uhr liefen wir zunächst direkt am Wasser entlang. Der Wind kam frontal von der Adria. Ich suchte Schutz im Feld, hielt mich leicht versetzt hinter anderen Läufern. Taktisches Laufen war heute wichtiger als Tempotraining.

Nach wenigen Kilometern führte uns die Strecke am Yachthafen vorbei und hinauf entlang der Hänge des Marjan. Rund 60 Höhenmeter bis zum Wendepunkt – die Beine arbeiteten, der Puls stieg, aber es fühlte sich kontrolliert an. Bergab zurück Richtung Stadt lief es flüssig, fast euphorisch. Vielleicht geht doch mehr als gedacht?

Wind, Weite und Zweifel

Spätestens ab Kilometer zehn änderte sich das Bild.

Die Strecke führte hinaus aus der Stadt. Breite Straßen, wenig Schutz, volle Windkante. Besonders im Bereich des WestGate Towers, einem großen Hotelhochhaus, trafen uns heftige Fallwinde. Eine Böe erwischte mich so stark, dass ich ins Straucheln geriet und mich nur mit einem Ausfallschritt stabilisieren konnte.

Hier begann der mentale Teil des Rennens.

Der Kopf runter, Schritt für Schritt. Nicht auf die Uhr schauen. Einfach laufen. Kilometer sammeln. Der 1:50-Pacer entfernte sich langsam. Nicht dramatisch – aber stetig. Ich wusste: Heute geht es nicht um Bestzeit, sondern ums Durchziehen.

Nach dem Wendepunkt bei Kilometer 13 kämpften wir uns zurück Richtung Innenstadt. Der Gegenwind blieb, aber zumindest wusste man jetzt, was einen erwartet. Die Beine wurden schwerer, doch das Tempo blieb stabil.

Finale zwischen Marmor und Meer

Ab Kilometer 16 ging es wieder in Richtung Altstadt. Eine Stadionrunde durch die Heimstätte von HNK Hajduk Split brachte kurz Abwechslung, dann führte die Strecke durch Wohnviertel und schließlich zurück ins historische Zentrum.

Kilometer 20. Noch einmal Konzentration. Noch einmal Tempo aufnehmen.

Die Marmontova Ulica – erneut diese glatten Marmorplatten. Vorsicht und Angriff zugleich. Vor mir tauchte die Adria auf. Grau, aufgewühlt, aber jetzt egal. Links auf die Riva einbiegen, Zielgerade. Der Wind war plötzlich Nebensache.

Nach 1:54:21 Stunden überquerte ich die Ziellinie. Angesichts von rund 250 Höhenmetern und diesen Bedingungen fühlte sich die Zeit absolut verdient an.

Zahlen & Fazit

In der Gesamtwertung erreichte ich unter den 1.394 Finishern Gesamtplatz 489, bei den Männern Platz 422 (915) und in der Altersklasse Platz 40 (100).

Nach dem Lauf gab es noch die übliche Medaille, das Versorgungspaket hatte ich jedoch nicht bekommen. Den Übergabepunkt hatte ich wohl verfehlt. Da es recht kühl war, zog ich vor, möglichst schnell ins Hotel zurückzukommen, um noch duschen zu können. Immerhin hatte ich nur noch eine Stunde zum Auschecken. Ich schaffte es in 30 Minuten und erreichte so auch noch pünktlich den Airport Shuttle.

Es war kein perfekter Frühlingslauf, es gab kein Postkartenwetter, aber es war ein ehrlicher Saisonauftakt, der direkt mal die persönliche Formkurve ausgetestet hat.

Rechtzeitig am Flughafen kam dann auch die Sonne raus. Das Timing lies in diesem Fall zu wünschen übrig. Aber Kroatien kann es sicher besser. In zwei Wochen wartet Zagreb auf mich. Da darf es dann gerne sonniger werden.

Euch allzeit gute Läufe! 🏃‍♂️

Kommentar verfassen