Trailrun in Schottland: Durch die wilde Natur des Glen Affric – Der Loch Affric Circuit (18 km)

In diesem Jahr stand Schottland auf unserer Urlaubsagenda. Und auch wenn ich mir in meinen Laufkalender „Wettkampfpause“ eingetragen hatte, bedeutete dies ja nicht, dass ich völlig untätig bleiben werde.

Stellte sich nun nur noch die Frage, wo laufe ich in Schottland. Da wir uns vorwiegend in rauem Gelände, also in Nord- und Westschottland aufgehalten hatten, war klar, hier kommt nur Trailrun in Frage.  Das freute mich durchaus, da ich für Ende Oktober den Teutoburger Waldlauf gemeldet habe und insofern eh ein wenig auf Trailuntergrund trainieren wollte.

Wir hatten zwar eine Route für die Schottlandtour erarbeitet, dennoch war nicht klar, wo wir an jedem Abend landen werden. Insofern konnte ich auch keine Trailtouren im Voraus planen und war auf das angewiesen, was wir uns im Vorfeld von der Website walkhighlands.co.uk als Wandertouren runtergezogen hatten.

Gesagt getan. Unser erster Stopp in der „Wildnis“ war das wunderschöne Tal Glen Affric.

Wer mal sehen möchte, wie es vielleicht vor Millionen von Jahren auf der Erde ausgesehen hat, der ist hier genau richtig. Natur, die sich selbst überlassen wurde, wohin das Auge reicht. Das Glen ist wohl das Beste, was Schottlands Glens zu bieten haben. Das Ganze dann noch mit einem herrlichen See, dem Loch Affric, als Zugabe garniert. Ein See, ein Weg drum herum und herrliches Wetter. Das war der Stoff für meinen ersten Trailausflug auf schottischem Boden. Das war der Loch Affric Trail.

Mein Start war der Glen Affric Car Park, der entlegenste Außenposten im Glen, der noch per Fahrzeug zu erreichen war. Hier begann auch der Loch Affric der weitere rund 9 Kilometer in das Glen hinein verläuft.

Strecke_Glen Affric Kopie

Der Lauf begann auf der Tarmac Road, die hier noch für rund einen Kilometer als Schotterpiste bis zur Glen Affric Lodge weiterführte. Hier bekam man bereits einen ersten Vorgeschmack auf das ständige hoch und runter des gesamten Weges. Mein Sohn war noch motiviert genug, mich mit dem Mountainbike zu begleiten.

In Höhe der Glen Affric Lodge bog dann der weitere Verlauf auf einen Track ab, der durchaus einem Bergpfad glich. Hier wurde es deutlich steiniger und auch rauer. Nach gelaufenen 3 Kilometern verabschiedete sich mein Sohn und fuhr mit der Meldung zurück, dass ich gegebenenfalls nicht nur meine zuerst geplanten 5 Kilometer in das Glen hineinlaufen werde, sondern bis zum Ende des Sees und dann zurück. Estimate time of arrival back? Sagen wir mal so, in geschätzten eineinhalb bis zwei Stunden.

Danach endete jede zivilisatorische Kommunikation und ich war eins mit der Natur, dem See, den Bergen und vor allem dem Track.

Dieser wurde von nun an immer rauer und steiniger. Wahrlich ein echter Trailrun – endlich mal. Und es klappte hervorragend. Nach 5 Kilometern war mir klar, die weiteren 4 bis zum Ende des Sees wurden nun auch noch gelaufen. Und dann hieß es ja auch noch zurücklaufen. Der Gedanke war gerade zu Ende gedacht, da änderte sich der Weg schlagartig. Von der steinigen Geröllwüste wechselte der Untergrund in torfigen weichen Boden, der vom Regen der letzten Tage gut durchnässt war. Vielfach hieß es nun, den Wasserflächen auf dem Weg über die Grasnarben am Wegesrand auszuweichen, über die Pfützen zu springen oder eben doch zügig hindurch zu laufen. Das Ziel, die Schuhe möglichst lange trocken zu halten, konnte ich schnell „zu den Akten legen“.

Der zu kreuzende Bach, der ordentlich gefüllt war und sein Wasser mit Macht den Hang hinab in den See beförderte, war durch die vorhandenen Steine im Bachbett noch gut zu überqueren und stellte kein wirkliches Problem dar.

Nun merkte ich, dass der Untergrund ordentlich kraftraubend war. Nach 9,2 Kilometern traf ich auf eine Weggabelung und war damit am Ende des Sees angelangt. Einen Wegweißer gab es nicht Also musste ich mich auf meine Intuition verlassen, dass der Pfad, der nach links weiterging, auch der Pfad wieder zurück ist. Die Richtung passte und wurde mir etwas später durch ein, an der aufgelassenen Farm Athnamulloch, wild campendes Pärchen bestätigt.

Nun ging es ein wenig weiter durch die Flachebene am Ende des Sees, hinüber an die gegenüber dem See liegende Bergflanke.

Zu meiner Überraschung fand ich hier eine kleine Schotterpiste vor, die den Weg zurück markierte. Diese führte oberhalb des Sees, entlang der Bergflanke, zurück zum Car Park. Die Aussicht war so fantastisch, dass ich immer wieder Fotos machen musste. Hinter mir versammelten sich zwar schwarze Regenwolken, die es nicht so richtig über die Bergkämme hinüberschafften – gut so. Von vorne gab es herrlichen Abendsonnenschein. Perfekte Bedingungen für einen 18 Kilometer Traillauf in bergiger und abgeschiedener Natur.

Nach 1:57:12 Stunden war ich dann wieder zurück am Car Park und mächtig froh, diesen Lauf in Gänze absolviert zu haben. Nun nutzte ich noch den letzten Wind, um mich moskitofrei am Fluss zu waschen. Das gelang nicht so ganz. Innerhalb von Sekunden waren die Beine zerstochen. Aber wofür gibt es helfende Salben. Nach einer Woche war der Spuk bereits abgeklungen.

Für mich war jetzt klar. Hier wird weitestgehend Trail gelaufen und nach Möglichkeit keine Straße. Im nächsten Bericht laufe ich am nordöstlichsten Zipfel Schottlands, in John o’ Groats.

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