Laufbericht: 40. LifeStar Malta Halbmarathon (21,1 km/HM)

Was für ein episches Rennen war das denn? 40 Jahre Malta Marathon & Halbmarathon, 5.100 Läuferinnen und Läufer, 2.600 davon kamen aus 80 verschiedenen Ländern. Und der Renndirektor Joe Micallef organisiert das ganze ebenfalls seit 40 Jahren, also von Anfang an. Bei der Sause wollte ich natürlich dabei sein, zumal Malta immer wieder eine Reise wert ist und ich das letzte Mal 2017 an einem Lauf auf Malta teilgenommen hatte.

In zweieinhalb Stunden erreicht man Malta aus der trüben Winterzone und landet bei herrlichstem Sonnenschein mitten im Mittelmeer. Mit dem Bus ging es weiter bis nach Sliema, wo ich mich unweit der Ziellinie einquartiert hatte. Das Europa Hotel Malta entpuppte sich allerdings als bessere Jugendherberge und war mit vielen italienischen Jugendgruppen extrem laut. Am Freitag musste ich dann korrigierend über das Hotelmanagement einschreiten, was nur bedingt zum Erfolg führte.

Freitag und Samstag waren wie immer dem Sightseeing vorbehalten. Mein üblicher Rundgang durch Valletta zeigte mir, wieviel Neues in der Stadt zu sehen war. Am prägnantesten war das neue Parlamentsgebäude, welches direkt am Eingang zur Festungsstadt errichtet wurde. Samstags ging es dann mit der Schnellfähre zur Nachbarinsel Gozo und dort in die Hauptstadt Victoria. Hier musste ich mich mit dem Laufen ein wenig zurücknehmen, da ich mir am Vortag bereits eine Blase unter dem Fußballen erwandert und diese abends im Hotel verarztet hatte.

Am Samstagabend musste ich dann noch meine Startunterlagen vom Barceló Fortina Hotel in Sliema abholen. Freitagmittag war ich bereits einmal da, da standen die Leute bis auf die Straße. Die Hoffnung war, dass es sich bis Samstag abgeebbt hätte, dem war aber nicht so. Knapp 40 Minuten Schlangestehen, dann hatte ich meinen Schuhbeutel inklusive Laufshirt und Startnummer eingesammelt.

Sonntag stand dann der Halbmarathon auf dem Programm. Der Start sollte um 8:15 Uhr in Mdina, der alten Hauptstadt im Inselinneren erfolgen. Hierzu hatte ich einen Bustransfer gebucht, der um 07:00 Uhr ab dem Fähranleger in Sliema starten sollte. Ich war schon deutlich früher da, so dass ich direkt den ersten Bus erwischte und relativ früh Mdina erreichte. Ich hatte nun noch ein wenig Zeit, die Gassen der „stillen Stadt“ zu erkunden.

Dann bereitete ich mich auf den Lauf vor. Meinen Beutel konnte ich bei den zahlreichen DHL-Wagen abgeben, die nach Startnummern gekennzeichnet waren. Gut, dass es ein System gab. Die Pacer fand ich zunächst nicht, wohl aber deren Luftballons, die an einem Zaun befestigt waren. Dann zeigten sich die 1:50-Pacer und ich sortierte mich hinter ihnen ein.

Pünktlich um 8:16 Uhr erfolgte der Startschuss. Ein wenig unkoordiniert nahm nun alles seinen Lauf. Aufgrund der Enge auf dem an sich großen Parkplatz vor den Toren Mdinas gab es keine Startblöcke. So liefen nun auch viele Läuferinnen und Läufer, die merklich langsamer unterwegs waren, im schnelleren Lauffeld. Wer Malta kennt, weiß, die Straßen in den alten Orten sind meist recht schmal. Das Überholen war insofern ein wenig schwierig bis unmöglich. Da ich aber zunächst einmal in Ruhe in den Lauf kommen wollte, ließ ich mich einfach mittreiben.

Mdina, die alte Festungsstadt, lag schnell rechts von uns und links erstreckte sich Rabat, die Neustadt. Wir liefen aus der Stadt heraus und verloren rasch an Höhe. Rechts von uns erstreckte sich ein Tal, welches wir nun umrundeten. Bei Kilometer 2 waren wir auf der anderen Seite des Tals angekommen und hatten einen großartigen Blick auf Mdina mit seiner markanten Kirche und den Bastionsanlagen. Hier war die Straße nun auch breiter und man konnte sehr gut überholen und sich überhaupt erst einmal „freischwimmen“. Das Tempo hielt ich aber trotz des Höhenverlustes bei rund 5:10 min/km konstant. Eine Läuferin, die ebenfalls gleichmäßig unterwegs war, nutzte ich als Maßstab meines Tempos.

Bei Kilometer 4 erreichten wir den kleinen Ort Ta’Quali, streiften diesen aber nur, um über die alte Landstraße Richtung Hauptstraße, der Triq l-Imdina, zu laufen. Hier angekommen, mussten wir nach links abbiegen und fanden uns auf den neu ausgebauten 2 Spuren einer 4-spurigen Landstraße wieder. Der Asphalt war noch schön schwarz, was wir merkten, da es durch die Sonne direkt wärmer wurde. Wir hatten aber in doppelter Hinsicht Glück. Zum einen wachsen auf Malta überall Bäume und die Straßen sind meist mit alten knorrigen Bäumen „bewaldet“ und spenden zumindest abschnittsweise Schatten, zum anderen kam kurz nach Kilometer 5 die erste Verpflegungsstation, bei der wir reichlich Wasser bekamen.

Hinter Kilometer 6 folgte ein Kreisverkehr und wir hielten uns links, um in den Ort Attard einzulaufen. Dies war besonders schön, da es nun durch die engen Gassen des Ortes ging und es schöne Fotomotive gab. In Attard konnte man auch einen Blick auf den Wignacourt-Aquädukt erhaschen. Diese Wasserleitung wurde zwischen 1610 und 1614 vom Malteserorden unter der Herrschaft des Großmeisters Alof de Wignacourt erbaut und führte von Mdina nach Valletta.

Von Attard aus ging es direkt über in den nächsten Ort Birkirkara – die Grenzen sind hier fließend. Hier liefen wir für einen Kilometer entlang eines neuen Gewerbegebiets und auf gleicher Strecke nach einem Wendepunkt wieder zurück auf die Hauptstraße, die zur Küste führte. Es folgte erneut eine Verpflegungsstelle sowie der schöne Blick zum Aquädukt, bevor wir scharf nach links auf die abfallende Küstenstraße abbiegen mussten, um weiter an Höhe zu verlieren.

Gestartet auf knapp 200 Höhenmetern waren wir in Birkirkara bereits auf 58 Metern angekommen. Wir näherten uns nun dem Großraum Valletta. Wer sich die Straßenkarten anschaut, sieht, was für ein Durcheinander hier herrscht. Es folgten diverse Rampen und Überwürfe, da anders der Verkehr nicht über die kreuzenden Straßen zu führen wäre und es den unweigerlich täglich bestehenden Verkehrskollaps noch verstärken würde. Also Brücke hoch, Brücke runter und immer mal wieder die Aussicht auf das Darunter „genießen“. 

Kurz vor Kilometer 13, in Qormi, überholten mich nun die 1:55-Pacer. Meine 1:50-Pacer hatte ich bei meinen Trinkpausen ziehen lassen müssen. Der Blick auf die Uhr zeigte mir aber, dass ich recht gut in der Zeit lag. 1:50 Stunden wäre nicht zu realisieren, das war mir klar. Ziel war aber, deutlich unter 2 Stunden zu bleiben. Also nutzte ich die beiden Luftballonträger und hängte mich an diese dran. Hier verblieb ich jedoch nicht lange, denn ich konnte doch noch einmal ein wenig beschleunigen.

Bei Kilometer 14 erreichten wir Marsa, eine Gemeinde am Wasser, von dem wir aber nichts sahen. Hier gab es erneut eine Verpflegungsstelle und ich tankte ordentlich nach. Mir ging es gut, war allerdings nicht mehr so flott wie zu Beginn unterwegs. Das ewige hoch und runter der Brücken, hatte mich ein wenig Power gekostet. Und auch die direkte Sonneneinstrahlung auf dem unbeschatteten Asphalt tat sein Übriges.

Kilometer 16, Floriana, eine Gemeinde auf der Valletta-Halbinsel, war erreicht. Wir liefen auf das große Stadttor zu, bogen aber kurz vorher links ab, um an den Festungsanlagen entlangzulaufen, um die Wasserfront zu erreichen. Hier, an der Valletta Marina, hatten wir das Meer erreicht. Von nun an ging es nur noch entlang der Küste zurück nach Sliema. Es folgte bei Kilometer 18 Msida mit seiner direkt am Wasser gelegenen Kirche, als nächstes folgte Gzira mit seiner schönen, durch Palmen gesäumten, Promenade.

Rechts lag Manoel Island, mit seinem Fort, das aber von uns aus nicht zu sehen war. Entlang des Marsamxett-Harbours folgten nun die letzten Meter zum Ziel. Der Zielbogen war bereits zu sehen. Markanter Punkt für mich war die schöne Jesus of Nazareth-Church, die mit ihrer roten Kuppel aus den üblichen Haus- und Hotelfronten herausstach. Hier, ein kleines Stückchen weiter, befand sich das Ziel, welches ich nach 1:56:11 Stunden erreichte und damit mein enttäuschendes Marrakesch-Ergebnis pulverisieren konnte.

Mit meinem Ergebnis kam ich unter den 3.013 Finishern des Halbmarathons auf Gesamtplatz 1.308, also immer noch im vorderen zweiten Drittel, bei den Männern auf Platz 1.048 (1.835) und in der Altersklasse auf Platz 73 (165).

Und dann kam die Überraschung – eine Medaille, die ihresgleichen suchte. Knapp 300 Gramm pures, schweres Metall, in goldfarbener Legierung, mit den Umrissen Maltas und dem Schriftzug des Jubiläums. Malta war für mich schon immer bekannt für ganz besondere Medaillen, aber diese sprengte nun wirklich meine Erwartungen.

Im Ziel gab es Getränke und reichlich Eis am Stiel. Eine herrliche Abkühlung nach dem Lauf. Und dann? Dann merkte ich plötzlich meinen linken Fuß. Die ganze Zeit war Stille. Jetzt, nachdem ich ein wenig pausiert hatte, pulsierte es unter dem Ballen. Meine Blase hatte sich wieder zum Leben erweckt. Ich sollte noch den ganzen Tag Probleme mit dem Laufen haben.

Im Hotel angekommen, konnte ich noch meine Dusche nutzen und bereitete mich auf die Abreise vor. Da die Uferstraße aufgrund des Marathons und Halbmarathons gesperrt waren, fuhren auch die Flughafenbusse nicht oder zumindest nicht nach Fahrplan. Ich hatte mir einen Uber bestellt und darauf gesetzt, dass der ortskundige Fahrer einen schnellen Weg zum Flughafen fand. Dem war so. Keine 30 Minuten dauerte der Tripp durch den chaotischen Verkehr rund um Sliema und Valletta, dann war ich am Flughafen.

Auf der Aussichtsterrasse konnte ich die Sonne genießen, die Klamotten trocknen und viel Wasser trinken. Dann ging es wieder zurück nach Deutschland.

Die Läufe, die durch die Malta Marathon, hier Joe Micallef, organisiert werden, kann ich nur wärmstens empfehlen. Die angebotenen Halbmarathons, Malta Half Marathon und Zurrieq Half Marathon sowie den 17 Kilometer langen Mdina2Spinola-Lauf habe ich alle absolviert. Laufberichte zu diesen Läufen findet Ihr unter der Verlinkung oder auf der Website von Malta Marathon.

Mein Fokus wird zukünftig nach Gozo gerichtet sein, wo es herrliche Trails gibt oder aber auf den La Valette Half Marathon, den es seit 2022 gibt und der von Sliema immer entlang der Küstenlinie, um Valetta und die 3 Städte Cospicua, Vittoriosa und Senglea führt. Es gibt noch viel zu tun auf Malta.

Euch allzeit gute Läufe!

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