Trailrun in Schottland – Up and down Britain’s highest mountain „The Ben“ (20 km)

Der Ben Nevis  ist der höchste Berg Großbritanniens. Er liegt am westlichen Ende der Grampian Mountains und ist der Hausberg der Stadt Fort William. Im Volksmund wird er nur „The Ben“ genannt. Ben Nevis stammt aus dem Gälischen und setzt sich aus den Namen „Ben“ für „Gipfel“ oder „Berg“ und „Nibheis“ (genauer „neamh-bhathais“ von „neamh“ = Himmel bzw. Wolken und „bhathais“ = Spitze des Kopfes) für „Kopf in den Wolken“ zusammen.

The Ben weist jährlich schätzungsweise 125.000 geglückte Besteigungen und weitere 100.000 Teilbesteigungen auf, die größtenteils von Wanderern auf dem gut ausgebauten Mountain Track (Pony Track) von Glen Nevis auf der Südseite des Berges durchgeführt werden. Für Kletterer und Bergsteiger liegt die Hauptattraktion in den 600 Meter hohen Klippen der Nordwand. Sie gehören zu den höchsten Klippen im Vereinigten Königreich.

Auf dem 1.345 m über dem Meeresspiegel gelegenen Gipfel, ungewöhnlich für einen Berg in Schottland, befinden sich die Ruinen eines Gebäudes, einer Sternwarte, die von 1883 bis 1895 ständig besetzt war. Die Schließung erfolgte im Jahr 1904.

Soweit so gut. Da sollte es nun also zum dritten Mal hoch gehen. Diesmal aber nicht im Wandermodus, sondern im Rahmen eines Traillaufs.

Der Ben Nevis mutet nicht gerade hoch an, aber gerade die rd. 100 tausend Teilbesteigungen machen deutlich, dass bei Weitem nicht jeder oben auch ankommt. Aufgrund seiner Atlantiknähe ist The Ben tückisch, nicht ungefährlich und von den Klimabedingungen mit einem 3.000-er in unseren Alpen vergleichbar. Das Wetter im Gipfelbereich ist meist miserabel und die Verhältnisse können sich schlagartig verschlechtern. Solche Wetterumschwünge sind bekannt und regelrecht gefürchtet. Orkanartige Böen sind eher die Regel als die Ausnahme. Hast Du unten noch 20 Grad, ist es oben meist empfindlich kalt, nebelig und duster. Minusgrade sind nicht selten. Die Zahl der Verunglückten während der Wanderung auf den Ben Nevis ist alarmierend hoch. Meist ist dies auf mangelnde Erfahrung, Leichtsinn oder ungeeignete Kleidung zurückzuführen. In den letzten Jahren starben somit bereits ca. 20 Menschen und die Zahl der Toten wird vermutlich weiter ansteigen.

Da ich um die Umstände wusste, war ich also gut vorbereitet. Das Wetter war allerdings auch diesmal alles andere als stabil. Laut meiner Wetter-App, sollte es ab Mittag aber aufklaren. Ok, mag sein, dass dem unten im Tal so ist, aber auf dem Gipfel herrschen andere Gesetze. Morgens war ich noch mit der Family in Fort William einkaufen, ab Mittag zog es mich dann aber auf den Trail.

Mein Rucksack war mit Wasser, ein paar Müsliriegeln, einem Ersatzhemd, den Stöcken und einer leichten Daunenjacke gefüllt. Also nichts Schweres, aber durchaus notwendig. Gegen Mittag ging es dann los. Der Gipfel war noch in den Wolken, aber rings rum lockerte es langsam auf.

Erst musste ich ein wenig die Straße durch das Glen Nevis, ein Tal am Ben Nevis, Richtung Achintee laufen, um zum Visitor Center zu gelangen. Hier ließ ich die wandernden Touristen schnell hinter mir. Überraschend viele wollten scheinbar noch los. Jedes Mal, wenn ich hier losgehe, frage ich mich, ob die wohl alle oben noch ankommen. Immerhin dauert die Wandertour rund 6-7 Stunden. Sei es drum – man kann ja umkehren, wenn es zeitlich nicht mehr passt.

Strecke_Ben Nevis

Der Weg führte mich als erstes entlang des Flusses und langsam an der Bergflanke des Glen Nevis nach oben. Scheinbar wurde der Weg erneuert, da er breiter und teilweise mit Blockstufen versehen war. Weiter ging es über diese unzähligen Steinstufen und einige „Brücken“, welche über kleine Bäche führten, stetig bergan. Die Bachläufe boten eine gute Gelegenheit etwas Wasser zu tanken. Im Verlauf wurde es immer rauer und die Stufen, die es zu überwinden galt, wurden ausgesetzter und höher. Noch konnte ich aber den Laufmodus halten.

Im Bereich von 450 Meter Höhe kam ich an eine Weggabelung. Ich hielt mich links, weil ich den Hauptweg kannte. Auf Experimente hatte ich hier oben keine Lust.

Langsam wurde  es auch warm. Es nieselte nicht mehr und die Wolken lockerten auf. Der Gipfel lag aber nach wie vor in einer Wattewolke versteckt. Mir war bereits klar, dass das diesmal wieder ein Gipfelbesuch ohne Sicht sein würde. Ich konnte nur hoffen, dass ich erst möglichst weit oben die Wolkendecke erreichte und so noch ein paar schöne Blicke ins Tal abbekam.

Bildschirmfoto 2017-12-23 um 07.59.00

Nach dem ersten ordentlichen Anstieg, erreichte ich auf einer Höhe von ungefähr 559 Metern ein Hochplateau, auf dem der kleine See Lochan Meall an t-Suidhe lag. Hier machte ich kurz Pause und sortierte meine Sachen. Die Jacke kam nun nach oben in den Rucksack. Erst mal oben am Berg, hatte ich nicht das Bedürfnis lange danach zu suchen. Dann ging es zielstrebig weiter bergan, der Weg war von unten gut zu erkennen.

Ich verließ die eher liebliche Region mit Gebüschen, vereinzelten Bäumen, der Heide und dem Gras. Schnell wurde es rau und steinig. Auf 700 Metern Höhe gab es noch eine kleine Wassertankstelle in Form eines Sturzbaches. Dieser markierte die Hälfte der Wegstrecke. Langsam wurde es nebelig und die Wolken kamen immer näher. Der braune Stein wurde nun grau und unvermittelt fand ich mich in hochgebirgsähnlichen Felsformationen aus Granit wieder. Durch Schotter und Geröll ging es in Serpentinen hinauf auf den Gipfelrücken.

Am Gipfelrücken verließ ich das geschützte Hochtal und  der Windschatten des Berges war Makulatur. An der Flanke des Berges war ich nun dem Wind voll ausgesetzt. Von jetzt auf gleich war ich im Nebel, es fing an zu nieseln, wurde dunkel und die Temperatur betrug nur noch 5 Grad. Jetzt hieß es schnell die Jacke rausgeholt.

Weiter ging es nun nach oben. Irgendwie taten mir die Leute leid, die am Wegesrand saßen und nicht mehr konnten. Es waren aber nur noch rund 200 Höhenmeter, insofern nicht viel, aber auch die müssen erlaufen werden und manchmal reichen schon 50 weitere Meter um zur Erkenntnis zu kommen, heute geht es nicht mehr. Ab der Höhenmarke von 1.200 Meter verlief der Weg steil ansteigend, aber immer geradeaus Richtung Gipfel. Unweigerlich war ich nun dem Wind und seinen Begleitern, wie Nebel und Niesel, ausgesetzt.

Ich hatte mir im Vorfeld einen Höhenmesser auf mein Handy gezogen. Ein Glück, so wusste ich immer bescheid, wann ich ungefähr oben bin oder wieviel ich noch zu kraxeln hatte. Gerade auf dem Gipfelrücken kann dies quälend werden, wenn man meint gleich oben zu sein, aber definitiv immer noch nicht da ist.

Dann tauchten aus dem Nebel heraus die Schutzhütte und die Ruinen des Observatoriums auf. Nach 1:55:44 Stunden hatte ich den Gipfel Großbritanniens höchsten Bergs erreicht. Ich ging in die Ruine, die nur noch aus einer Wand und den Resten des zusammengefallenen Hauses bestand, und setzte mich hinter die Mauer. Zum Glück war es hier ein wenig windgeschützt. Ich wechselte mein Hemd, holte die Verpflegung raus und dann „genoss“ ich die Zeit in dieser grauen, nassen, steinigen Umgebung. Nach 20 Minuten Pause machte ich noch ein paar Fotos und packte meinen Rucksack für den Abstieg.

Leider verlor ich den Deckel meiner Flasche in den dicken Blocksteinen. So musste ich die Flasche notgedrungen auskippen und leer einpacken. Dies machte aber nichts, da der Abstieg ja schneller ging und ich an diversen Bächen vorbeikam.

Zeitgleich mit mir startete noch ein weiterer Läufer downhill, der aber deutlich fixer unterwegs war. Vermutlich war der mit jedem Stein per Du. Ich achtete lieber auf die nassen Steine. Hier oben die Haxen vertreten, könnte fatale Folgen haben. Auf dem Weg nach unten kam ich an allen vorbei, die ich vorher überholt hatte. Glücklich sahen einige nicht aus, da das Wetter vermutlich doch arg an deren Nerven zog.

Relativ zügig erreichte ich wieder die Wolkengrenze und unvermittelt befand ich mich im Sonnenschein. Ein herrlicher Blick in die umliegenden Berge und das Tal eröffnete sich vor mir. Jetzt wurde es gefühlt auch direkt zweistellig wärmer. Die Jacke ließ ich dennoch erst einmal an, um sie abtrocknen zu lassen. Unten, auf dem Hochplateau, machte ich dann wieder eine kurze Pause und steckte die Jacke in den Rucksack. Es war geschafft. Die Gipfelflanke lag hinter mir im Nebel und nun ging es über die steilen Blockstufen, die ich erst nach oben gelaufen war, schnell nach unten.

Aber auch hier hieß es mächtig aufpassen, da man ordentlich Tempo bekam und der Untergrund nicht gerade einfach war.

Für den weiteren Abstieg wählte ich nun nicht den Weg, den ich gekommen war, sondern bog nach den Serpentinen nach links ab und wählte die steilere Variante, die mich in nur wenigen Minuten rund 200 Meter nach unten zum Glen Nevis Youth Hostel brachte. Auf diesem Weg hatte man fast schon eine Art Pflasterweg gebaut, der allerdings nicht einfach zu laufen war. Da wäre ein natürlicher Trail einfacher gewesen.

Unten angekommen, musste nun noch einmal der Fluss gekreuzt werden und über die Straße ging es die letzten Meter zurück zu unserem Campingplatz.

Nach 3:33:32 Stunden war ich wieder am Wohnmobil zurück. Ein toller Trip und ich war froh, dass alles so gut geklappt hatte. Immerhin hatte ich jetzt 2.920 Höhenmeter Anstieg  und Abstieg auf dem Buckel, die sich auch insbesondere im Abstieg deutlich in den Beinen bemerkbar gemacht haben.

Beim nachträglichen Studium der Karten war für mich bereits klar – das letzte Mal bin ich hier nicht hoch. Beim nächsten Mal würde ich dann die Überschreitung des Ben Nevis hinüber zum Carn Mor Dearg wagen, der mit 1.220 Metern direkt neben dem Ben Nevis liegt. Dann wäre es nicht nur schön sondern zwingend erforderlich, wenn auch die Gipfelspitzen wolkenfrei wären.

Und nun wie immer allzeit gute Läufe!

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Daniel sagt:

    Schöne Laufgeschichte mit schönen Fotos! Dir und deiner Familie ein frohes Weihnachtsfest.

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    1. Danke, wünsche Dir auch frohe Weihnachten.

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