Eigentlich sollte es lediglich ein spontaner Lückenfüller sein. Aus dem Kurzurlaub zurück und direkt mal ein wenig die Straßen unsicher machen. Was dann folgte, war jedoch in vielerlei Hinsicht unerwartet.
Vor meinem nächsten Halbmarathon in Kuwait hatte ich mir gedacht, doch noch einmal einen Formtest durchzuführen. Da hatte ich zwei Läufe zur Auswahl. Einmal den Sendener Steverlauf direkt um die Ecke, über den ich hier schon ganz viel berichtet habe, und eben der Werler Straßenlauf im Ortsteil Sönnern.
Da ich in Werl noch nie war, war schnell klar – die weitere Entfernung schreckt mich nicht und somit ging es dann eben an einem Samstagmittag nach Werl. Dort angekommen, genauer gesagt im Weiler Sönnern, fand ich ein total familiäres Umfeld vor. Die Kinderläufe waren gerade abgeschlossen, der 5 km-Lauf in vollem Gange, danach sollte der 10er folgen. In der Schule, die direkt am Sportplatz lag, holte ich mir meine Startnummer ab und machte mich in der Umkleidekabine lauffertig.










Das Wetter war kalt, wolkig, ja sogar ein wenig neblig und vor allem durch den Wind recht kühl. Kurz vorher hatte es scheinbar geregnet, denn die Straßen waren noch klitschnass. Jetzt war es trocken und es sah auch nicht danach aus, dass noch mehr runterkommen würde. Das war ganz nach meinem Geschmack. Ich lief mich auf der Straße ein, machte ein wenig meine „geliebten“ Dehnübungen und fand mich am Start ein. Das Starterfeld war übersichtlich und ich sortierte mich irgendwo in der Mitte ein.
Um Punkt 10 erfolgte der Startschuss und das Feld setzte sich in Bewegung. Kurz nach dem Start bogen wir zunächst nach rechts ab, um über die Feldstraße eine knapp 2 Kilometer lange Schleife zu laufen. Dazu liefen wir aus dem Ort heraus, drehten um einen Bauernhof herum, und liefen zurück Richtung Ort. Kurz vor Erreichen der Ortschaft liefen wir leicht nach rechts weiter in die Niclasstraße, die uns knapp eineinhalb Kilometer durch das Feld, vom Ort weg, führte.
Nach dreieinhalb Kilometern bogen wir zwei Mal nach links ab und liefen wieder zurück Richtung Sönnern. Was gab es zu sehen? Viel Feld, viel Erde, ein paar Birken und in der Ferne Sönnern. Ansonsten herrschte schnell Ruhe, da das Läuferfeld sich recht bald auseinandergezogen hatte. Etwa bei Kilometer 5,5 erreichten wir wieder Sönnern und wir liefen die gerade beschriebene Runde, allerdings ohne die Schleife, erneut.

Ich hatte die ganze Zeit meine Uhr im Blick. Mein Ziel war schon, vielleicht eine sub50er-Zeit anzupeilen, zumal es in den Tagen vorher immer sehr gut lief. Ich war deutlich unter 5 min/km unterwegs, so dass ich zunächst ein wenig Tempo rausnahm. Bei Kilometer 5 merkte ich aber, dass ich die ganze Zeit deutlich unter 4:50 min/km unterwegs war und sich bisher keine Müdigkeitserscheinungen zeigten. Also arbeitete ich mich Kilometer für Kilometer vor und versuchte die Zeit zu halten.
Bei Kilometer 7 hatte ich dann ein kurzes Formtief oder aber ich hatte die Uhr nicht im Blick. Auf jeden Fall verlangsamte ich, was ich aber zügig wieder aufholte. Die letzten 3 Kilometer war ich wieder unter 4:50 min/km unterwegs.
Bei Kilometer 7 schnaufte es plötzlich hinter mir. Da hatte sich scheinbar jemand herangerobbt und wollte mich als Zugpferd nutzen. Ich mag es nicht, wenn man mir die ganze Zeit in den Nacken stöhnt und da ich ja eh wieder das Tempo anziehen wollte, hängte ich den Schnaufer schnell ab.










Bei Kilometer 9 überholte mich dann eine ältere Dame und ich dachte so bei mir, wenn ich in dem Alter auch noch so einen Zug draufhätte, dann hätte ich wohl alles richtig gemacht. Ich nutzte ihr Tempo und hängte mich meinerseits dran. Da sie recht zügig unterwegs war, hielt ich ein wenig Abstand – getreu dem Motto „was Du nicht willst, was man Dir tu, da füg auch keinem andren zu“.
So liefen wir also im Eiltempo wieder Richtung Sönnern und bogen in die Zielstraße ein. Hier mein Blick auf die Uhr und ich konnte es kaum glauben – stand da eine 47? Ja, mit einer Zeit von 47:53 Minuten schloss ich diesen 10 Kilometer-Lauf ab, ohne, dass ich nun komplett ausgepowert gewesen wäre.
Das war für mich dann schon unerwartet. Mit 49:XX hätte ich gut leben können, aber dass es sogar eine 47:XX werden könnte, hätte ich nicht gedacht. Seit 2018 hatte ich meinen Schnitt langsam, aber kontinuierlich Richtung 50plus verschlechtert. Nun also noch einmal der Angriff und einen deutlichen Schritt zurück auf der Zeitleiste erreicht.










Mit 47:53 Minuten und einer durchschnittlichen Pace von 4:47 min/km reichte es unter den 78 Finishern für einen Gesamtplatz 44, bei den Männern für den 33. Platz (51) und in der Altersklasse für einen 3. Podiumsplatz (4). Im Ziel gab es neben Wasser auch warmen Tee, den ich für mich nutzte.
Ich war sehr gut zufrieden – ein absolut gelungener Formtest ohne irgendwelche Zipperlein. Sehr zufrieden setzte ich meine Heimfahrt an, um die warme Dusche genießen zu können.
Genießt das kühle Wetter – und Euch allzeit gute Läufe!