Nach längerer Verletzungspause und diversen anderen sportlichen Ereignissen, wie eine Transalp, stand nun mit Slowenien mein 26. Land auf dem Programm. Ich hatte mich bereits letztes Jahr für den Ljubljana Halbmarathon angemeldet, konnte dann aber krankheitsbedingt nicht starten. Also wurde dies nun nachgeholt.
Freitagnachmittag ging es per Flieger über München in die slowenische Hauptstadt. Am Flughafen, der sehr verträumt und still wirkte – wir waren die einzigen Gäste – suchte ich mir den Abfahrtspunkt für den Flughafenshuttle in die Stadt. Den Bus hätte ich fast verpasst, akzeptierte der Busfahrer doch keine Kartenzahlung. Also zurück ins Terminal, schnell Geld gezogen und wieder zurück. Dann war ihm der Schein zu groß. Nach anfänglichem Gemurre und Gefühlsäußerungen, wie schwer doch die Welt auf ihm laste, akzeptierte er dann doch den Schein und suchte in seinem prall gefüllten Beutel das Wechselgeld.
In Ljubljana, am zentralen Busbahnhof angekommen, wechselte ich direkt in den nächsten Bus und fuhr zum Stadion Stožice. Hier gab es eine Läufermesse und die Ausgabe der Startnummern. Zu meiner Überraschung gab es nicht nur das übliche Werbematerial, ein T-Shirt und die Startnummer, nein es gab auch einen durchaus hochwertigen und nutzbaren Rucksack. Vom Stadion aus fuhr ich dann zu meiner Unterkunft, dem Dragon Dreams Hostel, welches ich bei den doch ansonsten sehr teuren Hotelpreisen durchaus wärmstens empfehlen kann.











Am Samstag stand dann Stadtbesichtigung auf dem Programm. Morgens merkte ich bereits, dass es sehr kalt war und der Nebel sehr dicht und tief stand. Bei einem spanischen Modelabel kaufte ich mir schnelle eine warme Mütze und der Tripp durch die Stadt konnte starten. Bevor ich aber hier schreibe, was ich mir angeschaut habe, lieber ein kurzer Exkurs zu der Fragestellung, wieso Ljubljana eigentlich die Stadt der Drachen genannt wird.
Drachen bestimmen in Ljubljana das Stadtbild. Es gibt die bekannte Drachenbrücke, die Wahrzeichen der Stadt ist. Der Sage nach bewegt der Drachen seinen Schwanz, wenn eine Jungfrau über diese schreitet. Es darf geraten werden, was er an diesem Tag nicht tat. Einer weiteren Sage nach soll Jason, ein griechischer Held, auf seiner Flucht durch das Gebiet um Ljubljana gefahren sein. Ein in den Sümpfen der Stadt lebender Drache wurde durch Jason getötet. Dieser Drachen ist heute mythischer Beschützer der Stadt. Diese Logik erschließt sich mir gerade auch nicht und so kommen wir zum eigentlichen Thema zurück.
Sonntagfrüh, 7:30 Uhr, äußerst kalt, aber nebelfrei. Ich stehe an der Bushaltestelle vor meinem Hostel. Die vierspurige Dunajska cesta ist Teil unserer Route. Ich frage mich, ob heute überhaupt ein Bus fahren wird. Dies klärt sich schnell, als ein gut informierter Läuferkollege uns einsammelt und wir unseren knapp 3 Kilometer langen Weg in die Stadt zu Fuß starten. Ich hoffe auf baldige Sonne, denn es ist extrem schattig an diesem Morgen. Ich hatte zum Glück ein langärmeliges Sweatshirt und eine Laufweste dabei, die die Kälte einigermaßen abhalten.











In der Stadt ist schon reichlich Betrieb. Den Start des 10 Kilometer Laufes bekomme ich noch mit, dann schaue ich mir das Umfeld des Starts an. Auch hier gibt es zahlreiche Zelte von Sponsoren, in denen man sich gut aufhalten kann. Um kurz vor 9 Uhr gehe ich zu meinem Startblock D. Ich hatte eine Zeit von 1:50 Stunden angegeben, bin also bei den Läufern unter 2 Stunden einsortiert. Es wird schnell voll und damit auch angenehm warm. Erstaunlich, was so eine wartende Meute an Wärme abgibt. Es folgt die Nationalhymne Sloweniens und kurz danach sehen wir auf einer großen Leinwand den Start. Wir setzen uns gehend auch in Bewegung und erst 6 Minuten nach dem eigentlichen Start überquere ich die Induktionsschleife und starte meine Uhr. Es geht los let’s run.
Es dauert nicht lange und ich frage mich, wofür es Zeitzonen beim Start gibt. Die ersten Langsamläufer blockieren das Vorankommen und ein ständiges Hinundhergespringe beginnt, um Meter gut zu machen. Nach 500 Metern queren wir durch eine Unterführung die Eisenbahnlinie und schwenken ein in die dreieinhalb Kilometer lange Dunajska cesta, die uns in den Vorort Posavje führt. Hier gibt’s genügend Platz, da die komplette Straße für uns gesperrt ist. Das Läuferfeld verteilt sich rasch über die gesamt vierspurige Breite, so dass für jeder sich sein Plätzchen erlaufen kann. Links von uns türmen sich die Wohnblöcke in die Höhe, während man auf der rechten Seite eher verhalten niedrig gebaut hat.
Bei Kilometer 4 biegen wir in die Straße des 7. September ein, der wir für ein kurzes Stück folgen bevor wir erneut nach links abbiegen und der Slovenčeva Ulica, einer baumgesäumten Wohnstraße für rund zweieinhalb Kilometer folgen und wieder Richtung Stadt zurücklaufen. Ich bin gut im Tritt. Im Schnitt liege ich bei rund 5:15 bis 5:20 min/km und habe nicht den Eindruck, dass ich schwer gefordert bin. Zielsetzung war eh erst einmal ankommen und das Ganze möglichst unter 2 Stunden. Insofern hatte ich mir auch vorgenommen, nicht auf die Kilometerangaben am Straßenrand zu schauen, sondern einfach nur zu Laufen. Kurz hinter Kilometer 5 gibt es die erste Verpflegungsstation, die für mich aber zu früh ist. Ich lasse sie aus und laufe weiter.
Ich kann ein paar Sekunden gut machen und das Tempo für die nächsten 3 Kilometer auf rund 5:10 min/km erhöhen. Wir durchqueren Brinje und erreichen den direkt an die Altstadt grenzenden Vorort Bezigrad. Es wird lauter um mich rum. Ein Huhn ist hinter mir her. Das Huhn ist ein italienisches und es hat Verstärkung dabei. Mit Tröte und dem Ei legenden kleinen Schwesterchen läuft es an mir vorbei. Es ist vorbei mit der Ruhe. Jetzt heißt es ziehen lassen oder abhängen. Ich wähle den Mittelweg, lasse die Dreierkombo vor mir herlaufen und ziehe dann an ihnen vorbei. Ich habe schließlich noch was vor.
Kurz hinter Kilometer 7 biegen wir auf die große Straße Drenkova Ulica ab, die wir aber nach nur rund 500 Metern wieder nach rechts verlassen. Wir folgen dieser Vorstadtstraße bis Kilometer 8 und müssen dann aufgrund der Bahngleise nach links in die Goriška Ulica abbiegen, die immer entlang der Bahngleise führt. Einige Läuferinnen und Läufer brechen plötzlich nach rechts aus und rennen über die Gleise. Toilettengang ist angesagt. Erstaunlich ist nur, dass die gar nicht schauen, ob ein Zug naht. Das Signal steht auf grün und die Trasse sieht durchaus befahren aus. Vielleicht wissen die mehr als ich?
Wir folgen dieser Straße durch den Stadtteil Stegne und bis kurz vor Podgora. Hier sind viel Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe angesiedelt. Insofern gibt es nicht allzu viel zu sehen. Bei Kilometer 10 logge ich eine 53:25 min. ein. Nach dem Split bei 5 Kilometern mit 26:32 min. habe ich mich somit nicht wesentlich verlangsamt. Was mir positiv auffällt, egal wo man sich in Ljubljana gerade aufhält, man ist bei diesem Lauf scheinbar nie allein. Die gesamte Stadt steht an der Strecke. Dieses Laufwochenende hat die Stadt ganz offensichtlich fest im Griff. Knapp 19.400 Läuferinnen und Läufer können eben nicht irren – hier wird was geboten.











Bei Kilometer 12 folgt eine weitere Fanzone, diesmal mit einem Fahnenmeer teilnehmender Nationen. Begrüßt werde ich durch die Flagge Spaniens. Danach folgt auch die deutsche Flagge. Es bietet sich ein schönes Bild – auch gegen die Sonne fotografiert.
Bei Kilometer 14 heißt es für alle einmal tief durchatmen und die Stille genießen. Das Läuferfeld hat den Tivoli-Park erreicht. Für 2 Kilometer genießen wir herrliche Wälder, Wiesen und Stille. Der gesamte Tivoli-Park ist rund 5 Quadratkilometer groß und verbindet die Stadtteile Šiška im Norden und Roznik im Süden.
Ich stelle fest, dass ich meinen üblichen Tiefpunkt bei Kilometer 14 vergessen habe. Es läuft nach wie vor gut und ich fühle mich überhaupt nicht schlapp. Meine Durchschnittszeit liegt nach wie vor bei 5:20 min/km. Bei Kilometer 16 schaue ich dann doch auf die Tafel am Straßenrand. 1:25:44 zeigt die Uhr. Noch 5 Kilometer. Bei 30 Minuten Wegstrecke würde ich also bei 1:55:00 auslaufen. Mein Ziel, etwas knapp über 1:50:00 zu schaffen, ist somit gar nicht so abwegig und ich mobilisieren noch einmal ein paar Kräfte. Bei den kommenden Verpflegungsstationen tanke ich so nicht nur Wasser, sondern auch isotonische Getränke. Ich nehme mir eine Banane mit und das von mi verhasste Gel, das aber ganz gut schmeckt, muss ebenfalls dran glauben.
Kurz hinter Kilometer 16 biegen wir nach links in die Cesta na Brdo ein. Diese Straße führt uns wieder Richtung Innenstadt. Bei Kilometer 18 lugt kurz zwischen den Häusern die Burg hindurch. Es ist also nicht mehr allzu weit. Da wir aber noch ein paar Kilometer brauchen, führt uns die Route noch kurz durch das Wohngebiet in Rozna dolina, bevor es auf die Hauptstraße zurück geht.

Kilometer 20 ist erreicht. 1:47:03 steht auf dem Tacho. Nur noch ein Kilometer zu laufen. Da könnte ich die 1:55:00 aber noch deutlich knacken. Ich ziehe das Tempo noch einmal an. Es kommt die Gabelung zwischen Halbmarathon und Marathon in Sicht. Wenn ich daran denke, ich müsste jetzt alles noch einmal nur auf anderer Strecke laufen – nein danke. Ein Halbmarathon ist schön. Danach lebt man wenigstens noch. Ich reihe mich nach links ein. Bei Kilometer 20 zeigt die große Tafel 1:53:21 an. Abzüglich 6 Minuten Verzug am Start passt das also ziemlich genau zu meiner Zeit auf der Uhr.
Das Foto mit dem Teddybär, der uns nach links weist, muss sein, aber jetzt ziehe ich ordentlich an. Pace 5:10 min/km. Abbiegen in die Slovenska cesta. Diese Straße kenne ich bereits. Sie führt uns wenige Meter zum Kongressplatz, auf dem sich das Ziel befindet. Die ersten Torbögen von Sponsoren tauchen auf. Diese haben aber keine Bedeutung. Schlecht, wenn man bereits hier aufhört zu laufen. Dann folgt eine scharfe Rechtskurve auf den Kongressplatz und den grünen Teppich, der direkt ins Ziel führt. Noch einmal durchziehen und die Zeit bei 1:53:05 Stunden einloggen.

Mit meiner Zeit von 1:53:05 Stunden und einer durchschnittlichen Pace von 5:22 min/km erreiche ich unter den insgesamt 7.418 Finishern Gesamtplatz 2.649, dies allerdings bezogen auf die Bruttozeit (1:59:02 Std.). Bei der Altersklasse komme ich auf Platz 172 (407), dies nach Nettozeit, und bei den Männern auf Platz 2.128 (4.459), dies wiederum nach Bruttozeit. Nicht so logisch, aber scheinbar nicht zu ändern. Auf Nachfrage hin, habe ich jedenfalls bis zur Veröffentlichung dieses Laufberichts kein Nettozeit-Ranking erhalten.
Im Ziel erwartete mich dann aber bereits der Drache. Auch hier gab‘s ein Selfie und dann wurde ich auch schon weiter komplimentiert, um Platz für die ankommenden Läuferinnen und Läufer zu machen. Ein schnelles Foto des Ziels musste sein, wurde es doch diesmal mein Titelbild. Dann ging es um den Kongressplatz herum zur Medaillenausgabe und zu den Versorgungsstationen. Heineken grüßte mit seinem 0,0 %-Bier, welches gerne genommen wurde. Auch hinter der Absperrung lechzte man danach und ich versorgte mit zwei Büchsen zwei Wartende, die sich sichtlich freuten. Dann noch schnell ein Medaillenfoto und ab ging’s durch die überfüllte Unterführung zum Platz der Republik, wo ich mir mein Zertifikat ausdrucken lassen wollte. Angeblich gäbe es dieses nur dort vor Ort. Hinterher habe ich dann festgestellt, entgegen anders lautender Aussagen, gab es das Zertifikat auch als Download. Hätte mich auch echt gewundert.
Mit dem Zertifikat in der Hand suchte ich mir einen Scooter, der mich über die gesperrte vierspurige Dunajska cesta zurück zum Hostel bringen sollte. Unterwegs musste ich dann tatsächlich auf dem Fußweg weiterfahren, weil ein übereifriger Ordner auf die Sperrung der Straße bestand, obwohl die vereinzelten Marathonläufer, die nun kamen, ausschließlich die beiden äußersten linken Spuren nutzten. Auf mehrere Kilometer ersichtlich, lief nun wirklich gar niemand auf meiner Spur. Aber gut, ich fügte mich der Ordnungsmacht und „gefährdete“ lieber Fußgänger. Wieder so eine Logik, die sich mir nicht erschloss.











Der Ljubljana Halbmarathon ist absolut laufenswert und zu empfehlen, da Start- und Zielbereich im Herzen der Innenstadt liegen und somit für einen ganz besonderen Rahmen sorgen. Die ganze Stadt schien auf den Beinen zu sein. Die Zuschauer an den Straßenrändern – viele Familien, Musikgruppen – sorgten für eine motivierende Kulisse. Das Lauffestival war eine rundum gelungene Veranstaltung – toller Austragungsort, professionelle Organisation, gute Stimmung und sportlich anspruchsvoll.
Wer auf der Suche nach einem Halbmarathon ist, der sowohl landschaftlich als auch atmosphärisch überzeugt, bekommt hier ein starkes Paket geboten. Und nebenbei, Ljubljana ist auch ohne zu laufen eine Reise wert. Alles in allem war es eine sehr gute Vorbereitung auf den bereits im November folgenden Halbmarathon in Kuwait.
Euch allzeit gute Läufe und eine erfolgreiche Restsaison. Keep on running!