3. Oktober 2025 – 9:30 Uhr – Regattahaus Essen. Es ist neblig grau an diesem Freitagmorgen. Leichter Nebel hängt über den Ufern des Baldeneysees. Eine kühle Brise weht über die Ufer hinweg. Ideales Laufwetter, was mich heute nach Essen geführt hat.
Der 34. Essener Seelauf steht auf dem Programm. Eine 14,2 Kilometer lange Pendelstrecke ist zu laufen. Keine Halbmarathonstrecke, aber eine flache Strecke, die einen guten Test für mehr in zwei Wochen zulässt.
Meine Startunterlagen hole ich im Regattahaus ab, welches leicht durch den Regattaturm direkt am See zu erkennen ist. Die ersten Ruderer sind auch schon auf dem See aktiv. Noch ist nicht viel los, aber es wird auch nicht übermäßig voll werden. Rund 165 Anmeldungen stehen auf der ausgehängten Meldeliste. Das wird familiär und überschaubar. Es ist kühl und ich beginne mit dem Einlaufen. Ab und zu sprenkelt der Nebel ein paar Tropfen. Regnen soll es aber nicht. Gut, dass ich meine Weste dabeihabe. Der Baldeneysee ist so groß, dass es hier schon ein gewisses Seeklima hat.











Um kurz vor 10 Uhr versammelt sich das Läuferfeld am Startbogen und kurz danach geht es auch schon ohne viel Tamtam auf die Strecke.
Die ersten Meter führen uns vom Regattahaus, über den Parkplatz hinweg, auf die Freiherr-von-Stein-Straße, die uns ostwärts, etwas abseits vom See entlangführt. Nach einem kurzen Anstieg auf die Straße hinauf, geht es flach weiter. Ideal zum Einrollen und in den Tritt zu kommen. Wir laufen vorbei an der Schlosskapelle und dem Schloss Baldeney. Dies habe ich während des Laufes aber gar nicht wahrgenommen, da wir von unserem Weg aus nur die Rückseite der Gebäude sahen.
In Höhe der Essener Kanu- und Segelgesellschaft e.V., kurz vor Kilometer 2, schwenken wir dann weg von der Straße und laufen auf der Uferpromenade des Baldeneysees weiter. Hier entfaltet sich das typische Seelauf-Gefühl: spiegelglattes Wasser rechts und dichter Baumbestand links. Die ersten beiden Kilometer sind flach und sehr gut, um in den Lauftritt zu kommen. Auch das Läuferfeld zieht sich schnell auseinander und ich kann mich „freischwimmen“. Der Untergrund wechselt von nun an zwischen Asphalt oder Schotter.

Kurz nach Kilometer 3 gibt es eine kurze Rechts-Links-Schikane und wir laufen weiter direkt am See entlang. Hier kreuzen wir die diversen dort befindlichen Regattavereine, sei es Rudern, Segeln oder andere Wassersportarten betreffend. Wir erreichen Heisingen und ein wenig später das Vogelschutzgebiet Heisinger Bögen. Hier geht der Baldeneysee in die Ruhr über oder korrekter, die Ruhr fließt hier in den Baldeneysee. So genau kann man den Übergang allerdings nicht erkennen.
Der Weg wird immer schmaler und die Vegetation immer dichter. Dann kann man rechts liegend die alte Eisenbahnbrücke Kupferdreh sehen, über die wir nachher noch laufen sollten. Ein paar Meter weiter liegt die große und neuere Kampmannbrücke, die Heisingen mit Kupferdreh verbindet. Hier queren wir die Ruhr und laufen auf der anderen Seite Richtung Hardenbergufer und zur Eisenbahnbrücke Kupferdreh weiter, die wir kurz hinter Kilometer 8 erreichen.
Die Eisenbahnbrücke wurde 1870 für die Ruhrtalbahn gebaut und ist 233 Meter lang. Damals hatte diese Brücke noch Rundbögen. Erst 1933, als der Baldeneysee angestaut war, wurde die Struktur durch die heute sichtbare Stahlfachwerkbrücke ersetzt. Über alte Holzplanken, bei denen man vereinzelt hofft, dass sie wohl halten mögen, laufen wir wieder hinüber auf die andere Seite nach Heisingen.











Nun geht es auf nahezu gleicher Strecke wieder zurück zum Startpunkt. Ich bin gut im Lauf, alles läuft reibungslos. Manchmal zwickt die Wade, manchmal die Achillessehne. Durch verändertes Auftreten kann ich aber gut drüber hinweglaufen und es ist auch nicht kritisch. Zwicken tut es halt immer mal. Meine Pace liegt weitestgehend knapp über 5 Minuten/Kilometer. Das ist sehr gut und ich merke, es kommt die Zeit meines Laufwetters.
Jeden Kilometer werde ich in der Nachschau betrachtet zwar etwas langsamer, aber das merke ich beim Lauf selbst nicht. Ich fühle mich fit, so dass ich vor mir laufende als Waypoints nutze und diese sukzessive überhole.
Nachdem die Sohne zwischen Kilometer 6 und 9 herauskam, hat sie sich nun wieder verabschiedet und das übliche Herbstgrau gewinnt wieder Oberhand. Bei Kilometer 11 sehe ich den Regattaturm in der Ferne liegen und ziehe noch einmal das Tempo an. Wieder einen überholt. Mittlerweile laufe ich am Seeufer ganz allein und muss mir teilweise den Weg frei rufen, da nicht alle Spaziergänger sofort mitbekommen, dass von hinten Läufer kommen. Aber es funktioniert prima und ich komme gut durch. Viel los ist an diesem Morgen nicht.












Dann bin ich wieder kurz vor dem Ziel und werde durch einen freundlichen Helfer nach links, vom asphaltierten Weg weg, über einen Wall auf den Parkplatz des Regattahauses geleitet. Hier noch einmal anziehen, den vor mir befindlichen, die ganze Breite des Weges einnehmenden, schiebenden Fahrradfahrer verscheuchen, und das Ziel ist bei Durchlaufen der Fahnenallee erreicht. 1:12:55 Stunden benötige ich für die 14,2 Kilometer lange Strecke. Das macht eine Durchschnittspace von 5,06 min/km aus – nicht schlecht.
Mit dieser Zeit erreiche ich unter den 142 Finishern Gesamtplatz 47. Bei den Männern komme ich auf Platz 34 (81) und in der Altersklasse auf Platz 4 (8).
Diese Strecke verbindet Sport und Natur in sehr gelungener Weise. Es ist kein ultra-schneller City-Lauf über asphaltierte Straßen, sondern ein Mix aus Uferpromenade, Naturwegen und landschaftlichen Abschnitten. Wer gerne visuelle Reize hat – Wasser, Bäume, Vereinshäuser – der wird hier keinesfalls enttäuscht. Zudem gibt es genug Herausforderungen, so dass der Lauf nicht einfach nur gemütlich ist, aber auch keine extremen Anstiege fordert.











Nach dem Lauf selbst hätte man die Gelegenheit an einem Frühstück teilzunehmen, was ich jedoch nicht tat. Ich holte mir kurz etwas zu trinken und packte dann meine Sachen, um mich wieder in Richtung Heimat auf den Weg zu machen. Einziger Wermutstropfen, eine Urkunde zur Erinnerung gab es leider nicht. Aber man kann ja immer noch besser werden.
Alles in allem war es ein sportlicher Morgen und eine gute Vorbereitung auf den anstehenden Ljubljana Halbmarathon Mitte Oktober.
Euch allzeit gute Läufe!