14. Mercedes-Benz Bratislava Half Marathon – Sightseeingrun zwischen Donau und Kleinen Karpaten (21,1 km/HM)

Mitten in der Nacht ging es wieder los. Um 2:30 Uhr war Aufstehen angesagt und die letzten Sachen checken, bevor es dann mit dem ersten Zug ab Buldern nach Düsseldorf zum Flughafen ging. Diesmal hatte ich hier nicht viel Wartezeit, da ich mal auf Risiko gesetzt hatte und keinen Zug mehr dazwischen hatte, um im Falle des Falles den Flughafen zu erreichen. Bei der Bahn weiß man ja nie, aber alles ging reibungslos glatt.

Etwas mehr als eine Stunde Flug und wir erreichten mit einem schönen Landeanflug über der Wiener Innenstadt den Flughafen Schwechat. Vom Gate zum Bus war es einiges an Weg zu laufen, da wir scheinbar im entlegensten Winkel geparkt hatten. Am Busgate musste ich noch knapp 40 Minuten warten, dann ging es mit dem Bus in weiteren 40 Minuten in die slowakische Hauptstadt Bratislava.

Hier hatte ich mir ein Zimmer im Bratislava Hostel by Freddy gebucht. Leider war der Check-in erst ab 14 Uhr möglich, also erkundete ich schon mal die Umgebung und nutzte die Zeit, meine Startunterlagen abzuholen. Das ging recht schnell und ich investierte rund eine halbe Stunde, um meinen Namen auf einem Mercedes zu finden, der mit allen Teilnehmernahmen beklebt war. Leider hatte man die Teilnehmer mit dem Buchstaben K mehr oder weniger nicht vollständig berücksichtigt, so dass ich mich leider nicht fand. Um 13:30 Uhr war immer noch kein Check-in möglich. Offensichtlich hatte hier jemand in einer deutschen Beamtenstube die Uhr lesen gelernt. Sei es drum. Ich schrieb schonmal die ersten Zeilen für meinen Blog und so war die Wartezeit gut investiert.

Samstag stand dann eine ausgiebige Stadtbesichtigung auf dem Programm. Wenn man sich an den Reiseführer hält, dann kann man, auch mit etlichen Abstechern in die Seitenstraßen, Bratislava relativ vollumfänglich kennen lernen. Eine schöne kleine Hauptstadt mit fußläufiger Altstadt und einer wunderschönen Burg, hoch oben über der Donau.

Sonntag früh hieß es früh aufstehen. Um 9 Uhr sollte der Lauf starten und ich musste einmal quer durch die Stadt ans Donauufer zur Shoppingmall Eurovea. Hier hatte man recht umfangreich eine komplette Läuferstadt aufgebaut. Es fehlte wirklich an nichts. Im Zelt der Bank CSOB konnte ich mir noch einen Kaffee holen und mich ein wenig hinsetzen. Draußen war es noch ziemlich kalt und der Wind tat sein Übriges. Eine halbe Stunde vor dem Start ging ich dann zum Startblock und stellte mich mitten rein. So konnte ich alle anderen um mich rum als Windschutz „missbrauchen“.

Gestartet wurde in mehreren Wellen. So war sichergestellt, dass das Läuferfeld sich nicht gegenseitig behinderte. Um kurz nach 9 Uhr erfolgte dann der Start und wir liefen relativ entspannt los. Kurz nach dem Start bogen wir nach rechts in eine 4-spurige Straße ab, die uns für die nächsten 2 Kilometer aus der Stadt raus führen sollte. Spektakulär war das Umfeld erst einmal nicht, auch nicht besonders schön. Viele neu gebaute Geschäftshäuser, wenig grün und viele Baustellen. Also alles recht grau – so wie der Himmel an diesem Morgen. Kurz vor Erreichen der Autobahn, nach rund 2 gelaufenen Kilometern, kam dann die Wende und es ging den ganzen Weg wieder zurück, diesmal auf den anderen beiden Spuren der Piste.

Strecke

In Höhe der Shoppingmall Eurovea bogen wir nun nach rechts in die Karadzicova-Straße ab. Dieser folgten wir für rund einen Kilometer, bevor der nächste Stich erneut nach rechts folgte. Wieder eine 4-spurige Ausfallstraße und diese musste nun inklusive einer Wende für die nächsten fünfeinhalb Kilometer gelaufen werden. Am Anfang, noch im Stadtgebiet, war viel Publikum und dieses feuerte die Läufer frenetisch an. Danach wurde es allerdings spürbar ruhiger und aufgrund der Straßensperrungen waren wir recht vereinsamt auf unserer Piste unterwegs. Ab und zu reihten sich dann doch noch ein paar Wohnhäuser zwischen die Geschäftshäuser. Hier war dann auch ein wenig Stimmung und vielfach auch Musik.

Höhenprofil

Nach rund elfeinhalb gelaufenen Kilometern erreichten wir wieder die Stadtgrenze von Bratislava. Über die Spitálska-Straße liefen wir nun direkt auf die Altstadt zu. Jetzt wurde es auch direkt interessanter. Mehr Menschen, schönere Gebäude, auch mal Bäume und insgesamt ein interessanteres Umfeld.

Bei Kilometer 13 erreichten wir die Altstadt. Auf der linken Seite lag eine alte Markthalle, die auch heute noch zeitweise als Markt benutzt wurde, grundsätzlich aber als Gemeindezentrum fungierte. Dann folgte auf der rechten Seite das Nationalmonument für den slowakischen Aufstand von 1944 gegen die beginnende Okkupation des Landes durch die deutsche Wehrmacht. Im weiteren Verlauf ging es nun für rund 500 Meter bergan, bevor wir den „Eingang“ zur Altstadt erreichten.

Rechts lag die große Trinitarierkirche. Hier bogen wir aber nach links ab und urplötzlich befanden wir uns nach Durchlaufen der Gasse Michalská und des Michaelertores in der Altstadt. Das Michaelertor ist das einzig erhalten gebliebene Tor der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Bratislava und stellt somit tatsächlich eine Art Eingang zur Altstadt dar.

In einer Schleife führte uns der Lauf nun durch die Altstadt. Neben den schönen und restaurierten Häusern konnten wir auch einen Blick auf den berühmten Kanalarbeiter, eine Bronzefigur, die schelmisch aus einem Gullideckel herauskroch, erhaschen, bevor die Panská-Straße unsere volle Aufmerksamkeit forderte. Hier gab es keine akkurat verlegten Granitplatten, sondern auf rund 200 Metern befindliches Kopfsteinpflaster, welches durchaus nicht immer bündig verlegt war – Stolperfallen inklusive.

Es folgte wieder eine Kehre und wir erreichten das slowakische Nationaltheater und den Hviezdoslavovo Námestie, einen der größten und bekanntesten Plätze Bratislavas, der aufgrund seiner länglichen Ausdehnung umgangssprachlich auch Promenade genannt wurde. Zugegeben, in der Nachschau betrachtet, hatte ich auch eher den Eindruck, es handelte sich um eine Promenade als um einen Platz. Baumgesäumt, deswegen auch gerne als Stadtwäldchen bezeichnet, ging es nun Richtung Donau weiter. Diese erreicht, lag rechts der Martinsdom, geradeaus thronte die Bratislavaer Burg auf einem Ausläufer der Kleinen Kaparten und links führte die futuristische UFO-Brücke des slowakischen Nationalaufstandes, kurz Most SNP genannt, über die Donau hinüber.

Es blieb nicht viel Zeit zum Gucken. Ich hatte ja auch alles bereits am Vortag besichtigt. Die Wasserstation nutzte ich jedoch, um Wasser und Süßigkeiten zu bunkern und weiter ging es auf der parallel zur Donau verlaufenden Uferstraße für den nächsten Kilometer bis zur Stary Most.

Die Stary Most ist die älteste Brücke Bratislavas. Sie ist für Autos gesperrt, da hier lediglich die Straßenbahnen in den Bratislavaer Vorort Petrzalka verkehren. Wir überquerten die Donau und genossen für einen kurzen Augenblick die frische Brise und den schönen Blick auf Bratislava und die Burg.

Nach den vielen Eindrücken der Neu- und Altstadt Bratislavas folgte nun die weitere Wegstrecke den Pfaden durch den Sad Janka Král‘a-Park, der nach dem slowakischen Dichter Janko Král‘ benannt ist. Was schön begann, stellte sich jedoch schnell als psychologische Herausforderung und Hürde dar. Vier Schleifen mussten wir durch den Park drehen und wir kamen immer wieder an den anderen Läufern vorbei. Der Trip durch den Park schien kein Ende zu nehmen. Ab Kilometer 17 baute ich dann auch deutlich ab. Mein rechter Fuß meldete sich wieder mit einer Blase. Ich wollte ins Ziel, hatte genug von dem Ständigen hin und her im Park, auch wenn dieser eigentlich herrlich zu laufen wäre, jedoch nicht nach bereits 17 gelaufenen Kilometern.

Dann erreichten wir bei Kilometer 20 wieder die Stary Most, nicht ohne noch an der Wasserstation zu tanken. Nun hieß es noch einmal bergan laufen, um den Scheitelpunkt der Brücke zu erreichen und ab da ging es nur noch bergab und direkt nach rechts weiter in das Neubauviertel Eurovea. Hier kündigten die ersten Fahnen das nahe Ziel an und das Publikum trieb die Meute an, noch einmal die letzten Reserven zu aktivieren. Kurz noch einmal Gas gegeben und nach 1:46:37 Stunden überschritt ich die Induktionsschleife, die mein Ankommen mit einem Piep bestätigte.

Unter den 3.124 Finishern des Halbmarathons erreichte ich mit dieser Zeit Gesamtplatz 1.042, in der AK-Wertung Platz 297 (735) und in der Wertung bei den Männern Platz 929 (2.346). Ein sehr schönes Ergebnis, nach einer Einstiegszeit von 1:55:25 Stunden beim Napoli Halbmarathon von vor vier Wochen.

Der Bratislava Halbmarathon bestach insbesondere mit der zweiten Hälfte der Wegstrecke, hier mit der Altstadt Bratislavas, der Streckenführung entlang der Donau und des gegenüber der Altstadt und auf der anderen Seite der Donau gelegenen Parks. Der erste Abschnitt war eher trist und grau, dafür ohne wesentliche Kurven und flach. Hier konnte man Zeitguthaben erlaufen, was man später durch einzelne Steigungspassagen in Teilen wieder hergeben musste.

Insgesamt war der Lauf wirklich top organisiert. Alle 3-5 Kilometer gab es Verpflegungsposten, der Start- und Zielbereich war weitläufig gestaltet, so dass kein Gedränge herrschte und man gut den Überblick behielt. Große Umkleidezelte gab es sowohl für Männer als auch Frauen und die Gepäckaufbewahrung, die ich zwar nicht genutzt hatte, funktionierte offensichtlich auch reibungslos. Selbst für die Toiletten gab es nach Geschlechtern abgetrennte Bereiche und ausreichend Möglichkeiten. Übliche Staus vor dem Startschuss? Weitestgehend Fehlanzeige.

Die Ergebnisse abzufragen, gestaltete sich hingegen ein wenig schwierig, da ich auf der Website zumindest keinen Verweis auf die aktuellen Ergebnisse finden konnte. Den Link dazu hatte ich mir schlussendlich von einem anderen Läufer via Facebook erfragt. Hier könnte der Veranstalter noch optimieren. Und beim nächsten Mal unbedingt die Teilnehmer mit Kl… auf dem Teilnehmerfahrzeug berücksichtigen. Schließlich heißt es ja auch „wer suchet, der findet“ und dann will man ja auch was finden!

Nunmehr steht als nächstes der 8. Volkswagen Bukarest Halbmarathon Mitte Mai auf der Agenda? Ein guter Zeitpunkt, die bisherige Bestzeit von 1:40:30 Stunden anzugreifen? Man wird sehen. Zuerst einmal werden jetzt wieder die Füße hergerichtet und ich werde ein wenig an meinem Laufoutfit feilen, so dass ich hier keine Behinderungen mehr habe. Ansonsten kann so ein Lauf echt zur Qual werden.

Was sind Eure nächsten Herausforderungen? Allzeit gute Läufe!

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