Norwegian Trailrun – Durch die wilden Berge, wo es südlicher nicht mehr geht (5 km)

Drei Wochen Norwegen mit dem Wohnmobil standen im Sommer auf dem Programm. Ich hatte mir vorgenommen, mein Laufpensum auf jeden Fall zu halten. Da es in Norwegen aber von der Tektonik her mit dem Laufen schon herausfordernd ist, hatte ich mich maßgeblich auf Läufe in der wilden Natur eingestellt. Ich war gespannt, was mir unsere Route an interessanten Laufmöglichkeiten zu bieten hatte. Von diesen Laufabenteuern werde ich in meinem Blog berichten.

Kaum in Norwegen angekommen und die ersten Tage mit dem Wohnmobil über die kleinen Straßen gefahren, kamen wir in Lindesnes Fyr an. Lindesnes ist eine Halbinsel in Norwegen und Fyr meint Leuchtturm. Exakt dieser Leuchtturm markiert zudem den südlichsten Punkt Norwegens.

Von hier hat man nun ganze 2.518 km vor sich, wenn man zum Nordkap will oder aber 2.814 km, wenn man den nördlichsten Leuchtturm Norwegens besuchen möchte. Ein sicher reizvolles Laufabenteuer, wenn man mal ganz viel Zeit hat und zudem ziemlich fit ist.

Ich beschränkte mich an diesem Nachmittag erst einmal auf eine kleine Runde durch die Berge, am südlichsten Punkt Norwegens. Zudem war es mein erster Trail in Norwegen. Ich kannte das Gelände nicht und vor allem auch nicht die Wege, die es hier so gibt. Was folgte, war schlussendlich eine Ganzkörperkombination, da wirklich alles gefordert war.

Strecke Lindesnes

Ich startete von unserem Parkplatz aus, direkt auf die durch die irgendwann mal vorhandenen Gletscher glatt geschliffenen Felsen und fand recht schnell einen kleinen Pfad, der mich unversehens in die steinige Wildnis führen sollte. Mit meiner App maps.me hatte ich zumeist alles unter Kontrolle und konnte erahnen, wo ich mich gerade befand.

In südwestlicher Richtung orientierte ich mich immer entlang der Küstenlinie, was zuweilen allerdings recht schwierig war, da ich permanent durch kleine Täler, Senken und über Hügel geführt wurde. Die Küstenlinie zeigte sich immer mal wieder sporadisch. Wie das so ist in der Wildnis, orientiert man sich auch immer an den Spuren derjenigen, die hier auch schon einmal langelaufen oder gewandert waren. Leider stellte sich dies nicht immer als richtiger Weg heraus und ich musste ein paar Mal umkehren oder Umwege laufen.

Nach eineinhalb Kilometer Wegstrecke fand ich mich plötzlich vor einer hohen Felswand wieder und ein kleiner Pfad führte daneben steil bergab. Also lief ich diesen Pfad weiter, der mich durch eine Tannenschonung führte. Der Pfad verlief extrem kurvig, so dass bald nicht mehr klar war, in welche Richtung ich eigentlich unterwegs war. Was mir dann aber schnell klar wurde war, dass ich an dieser Stelle schon mal war. Shit, ich war im Kreis gelaufen.

Höhenprofil

Jetzt bemerkte ich auch meinen Fehler. Ich war mal wieder dem Pfad der breiten Masse gefolgt. Dies war aber der Pfad derer gewesen, die, wie ich auch, nicht gesehen hatten, dass der eigentliche Weg plötzlich nicht waagerecht, sondern steil nach oben weiterführte. Nämlich über Kletterhacken die Felswand hinauf.

Tricky. Also, was soll’s. That’s Trail. Den Felsen hochgeklettert und weiter ging es. Belohnt wurde ich zumindest mit einer tollen Aussicht auf das Meer und zurück zum Lindesnes Fyr. Ich folgte nun den vereinzelt ersichtlichen blauen Markierungen und kam im Weiteren an einen kleinen See, dem Sulebartjerna. An dem lief ich weiter entlang und umrundete ihn.

Nächster Stopp, nach rund drei Kilometern sollte die Grasdalsheia sein, eine Erhebung, die rund 90 Meter über dem Meer lag. Von hier hatte ich einen herrlichen Blick über die gesamte Umgebung. Weit entfernt vom Lindesnes Fyr war ich ja nicht, obwohl ich den Eindruck hatte, schon mächtig was geschafft zu haben. Aber das lag schlicht an dem herausfordernden Weg, der volle Konzentration erforderte. Von nun an ging es nur noch bergab und wieder zurück Richtung Parkplatz.

Tatsächlich kamen mir doch zwei Wanderer entgegen. Ich dachte ich sei hier in der totalen Wildnis. Hier waren weit und breit keine Leute zu sehen. Dies zeigte mir aber, dass ich mich wieder der Zivilisation näherte. Ich musste noch ein paar Mal über blank geschliffene Platten und durch diverse Zickzack-Kurven laufen. Dann gelangte ich in ein kleines Wäldchen und plötzlich lag vor mir die kleine Straße, die zum Lindesnes Fyr führte. Keine 50 Meter vom Erreichen der Zivilisation stand unser Wohnmobil.

Meine erste wirkliche Trailrunde in Norwegen war geschafft. Füße heile, keine Verletzungen, lediglich ein paar Schrammen und reichlich schöne Eindrücke mitgenommen. Der Pfad jedoch verdiente durchaus das Prädikat herausfordernd. Und dies direkt zu Beginn. Die nächsten Wochen schienen somit vielversprechend abwechslungsreich zu werden.

Meine zweite Runde fand am Obrestad Fyr statt. Zum Artikel gelangt Ihr hier.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Carsten sagt:

    Das klingt sehr schön. Ich war vor vielen Jahren schon einmal in Norwegen und fand es super. Und dieses Jahr hat es uns auch in den Norden gezogen. Zum Trailrunning eine super Alternative zu den Alpen.
    Wünsche Dir oben noch eine fantastische Zeit und falls schon wieder zurück, tolle Erinnerungen an eine gute Zeit ;-).

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    1. HI Carsten, leider schon lange wieder in Deutschland zurück. Aber es war eine super Zeit und ich habe ein paar schöne Läufe unternommen, die ich jetzt nach und nach hier vorstellen werde. Viel Spaß beim Lesen und Danke für Dein Feedback. Matthias

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