VI. Meia Maratona dos Descobrimentos Lisboa – 7 Sekunden und der Halbmarathon der Entdecker (21,1 km/HM)

Der Meia Maratona dos Descobrimentos Lisboa sollte die letzte Station meiner diesjährigen Halbmarathons sein. Der Halbmarathon wird durch die Veranstalter als Halbmarathon der Entdecker beschrieben. Als ein Treffen mit der Geschichte, für diejenigen, die zwar von den Entdeckungen und Erfolgen der portugiesischen Seefahrernation gehört, aber noch nie den Boden der Entdecker betreten haben.

Das klang für mich spannend, also nichts wie hin nach Lissabon. Samstagfrüh konnte ich mit TAP Air Portugal bereits um 6 Uhr ab Düsseldorf losfliegen und erreichte bereits um 8 Uhr Ortszeit Lissabon. Ich startete wie immer meine Sightseeingtour durch die Stadt. Ich war sehr früh, und das merkte man auch in der Stadt. Ein kühler Nebel lag noch über Teilen der bergigen Innenstadt. Dennoch konnte sich die Sonne schon ein wenig durchkämpfen. Wahrlich mystische Bilder boten sich einem.

Gegen Nachmittag bezog ich meine Unterkunft in Belém, ca. 8 Kilometer außerhalb der Innenstadt, aber in direkter Nachbarschaft zum Start- und Zielpunkt des Laufs am nächsten Morgen gelegen. Danach ging es dann wieder in die Innenstadt zum Sightseeing und Startunterlagen abholen.

Leider gestaltete sich dies als schwierig, da die angegebene Adresse hinter einem Bauzaun und einer Bretterverschalung lag. Ok, was nun? Das Internet gefragt und eine weitere Veranstalterwebsite gefunden. Hier fand ich dann eine Adresse, die rund 700 Meter entfernt war. Also dorthin gelaufen. Hier fand ich dann in einem alten Ladenlokal die provisorisch eingerichtete Meldestelle für den Lauf. Die Unterlagen gab es schnell, dazu ein T-Shirt, ein bisschen Werbung und eine Zeitschrift des AIMS (Association of International Marathons and Distance Races).

Als ich die Sicherheitsnadeln sah, wurde mir bewusst, was ich vergessen hatte. Meine FixPoints. Seit langem bedeutete es diesmal wieder mühsame Handarbeit beim Befestigen der Startnummer am T-Shirt. Aber dies sollte ein Problem des nächsten Tages werden.

Am Sonntagfrüh hieß es dann früh aufstehen und alles schön vorbereiten. Das Läuferfrühstück war wieder äußerst schmal ausgelegt. Stilles Mineralwasser und ein paar Müslikekse mit Früchten. Das musste reichen. Bei der Befestigung der Startnummer passierte dann auch das Unausweichliche. Die Nadel traf meinen Zeigefinger. Herzlichen Glückwunsch. Aber dabei sollte es nicht bleiben. Beim Anziehen der Kompressionssocken machte einer der Socken ein komisches Reißgeräusch. Alles klar. Meine Ferse hatte nun direkten Zugang zur Luft. Die rechte Socke war durch. Da ich aber keine anderen dabeihatte, mussten sie diesen Lauf noch aushalten.

Dann musste ich los. Der Startpunkt des Laufs befand sich gegenüber des Mosteiro dos Jéronimos, einem gotischen Kloster, welches auch zum Weltkulturerbe zählt. Auf der anderen Seite befand sich der Tajo, der in Ost-West-Richtung durch Spanien und Portugal fließt und mit 1.007 km der längste Fluss der Iberischen Halbinsel ist und bei Lissabon ins Meer mündet.

Der Startbereich war ein wenig „schmal“ gehalten. Keinerlei Stände, keine Verpflegung, kein Marketing von Sponsoren, wie man das sonst so gewohnt ist. Auch keine Musik oder sonstige kurzweilige Einlagen. Nur ein Startbogen und Absperrgitter. Nun suchte ich den Pacemaker. Zielsetzung war diesmal keine Bestzeit zu laufen, aber schon die kühlen Temperaturen zu nutzen, um deutlich unter 1:50 Stunden zu bleiben. Aber auch den Pacemaker gab es scheinbar nicht.

Dann suchte ich mir mein Startfeld. Mit gemeldeten 1:45 Stunden, sollte ich sicherlich nicht ganz hinten starten. Aber wie sich herausstellte, war die 1:45 Stunden-Zeit bereits die Zeit für den gesamten Rest, der mitlief. Ergo war das Startfeld besonders voll und eng. Ich musste mir meinen Weg nach vorne suchen. Dann wurden die Startfelder zusammengelegt und ich konnte mich nach vorne weiter durchschlagen. Jetzt hieß es auf den Start warten, der pünktlich um 10 Uhr erfolgte.

Bildschirmfoto 2018-12-09 um 20.23.59

Ich hielt mich schön auf der linken Seite und konnte entspannt an den ersten Mitläufern vorbeiziehen. Da wir im Wesentlichen auf der breiten Uferstraße Avenida da India liefen, verteilte sich das Läuferfeld recht schnell und man konnte relativ entspannt seinen Lauf starten.

Für die nächsten 2 Kilometer führte uns die Strecke entlang der Avenida da India. Nach einem Kilometer sollte auf der linken Seite der bekannte Torre de Belém, eines der Wahrzeichen von Lissabon und eines der wenigen maurischen Bauwerke, das das große Erdbeben von 1755 in Lissabon unversehrt überstanden hatte, liegen. Sinnigerweise hatte ich dieses Bauwerk allerdings nicht gesehen. Nach 2 Kilometern kam ein Wendepunkt und es ging wieder zurück. Jetzt hieß die andere Seite der gleichen Straße Avenida Brasilia, die wir für die nächsten rund 10 Kilometer nicht mehr verlassen sollten.

Höhenprofil

Wir liefen entlang der Parkanlage Jardim de Belém, ließen den Präsidentenpalast links liegen und rannten weiter unter der eindrucksvollen Brücke Ponte de 25 de Abril hindurch. Die Ponte ist ein 3,2 Kilometer langer Brückenzug mit einer 2.278 Meter langen Hängebrücke über den Tajo. Sie ist weltweit die drittlängste Hängebrücke mit kombiniertem Straßen- und Eisenbahnverkehr. Sie verbindet in Nord-Süd-Richtung den Lissabonner Stadtteil Alcântara mit der Stadt Almada. Über die Brücke führt in sechs Spuren die Autobahn A2. Ein wahrlich eindrucksvolles Bauwerk, bei dem wir im Vergleich nur Stecknadelköpfe waren.

Dann liefen wir entlang der Markthalle Mercado da Ribeira, der Eisenbahnstation Cais do Sodré bis hin zum Beginn der Altstadt. In Höhe des Seeministeriums gelangten wir dann direkt an das Ufer des Tajo. Hier wechselte leider auch der Untergrund, weg von Asphalt zu Kopfsteinpflaster. Schön anzusehen, aber unmöglich zu laufen, da die Straße in einem völlig desolaten Zustand war. Kurzzeitig verließ ich die Laufstrecke und lief auf dem angrenzenden Fußweg weiter, der halbwegs in Ordnung war. Die nächsten 300 Meter musste ich mir den Fußweg mit einigen Fußgängern teilen, die aber schon durch andere Läufer vorgewarnt waren und sich dankenswerter Weise an die Seite begeben hatten.

Diese rund 300 Meter sollten sich später jedoch noch negativ auszahlen, zumal wir ja auch noch zurückmussten und das Stück nochmal zu absolvieren hatten. Nach elfeinhalb Kilometern erreichten wir das Kreuzfahrtterminal, wo gerade die Aida Mar vor Anker lag. Kurz den Zuschauern an Deck gewunken und weiter ging es. Wir machten eine Wende um den Rückweg zu starten. Bei Kilometer Zwölfeinhalb bogen wir in die Innenstadt ab und durchliefen diese auf schachbrettartigen Straßen für rund 2 Kilometer, bevor wir wieder am Tajo ankamen. Die Innenstadt ist herrlich gepflastert. Leider ist das Marmorpflaster aber auch ziemlich glatt, wenn es feucht ist. Hier mussten wir nun höllisch aufpassen. Alles ging aber gut.

Zurück am Tajo wurde mir auf der Uhr plötzlich eine Durchschnittszeit von über 6 Minuten je Kilometer angezeigt. Kurz danach waren es dann aber unter drei Minuten. Wahnsinn, wie schnell ich plötzlich sein sollte. Nein im Ernst, hierbei handelte es sich um einen Aussetzer der Zeitmessung. Diesen Umstand nahm ich aber zum Anlass überhaupt mal zu schauen, wie ich bisher unterwegs war. Ich stellte fest, dass meine Durchschnittszeit deutlich unter 4:40 Minuten je Kilometer lag, was im Schnitt eine Finisherzeit von weniger als 1:40 Stunden bedeuten könnte.

War ich etwa schon wieder auf Bestzeitkurs? Geplant war dies nicht, aber das spornte mich nun nochmals an. Ich hatte noch ein paar Gels dabei. Ich bin kein Freund von dem klebrigen Zeug, aber wenn’s hilft. Also Gel reingedrückt und das angebotene Wasser an der Verpflegungsstation direkt hinterhergespült. Mal ehrlich, auch nach weiteren Kilometern konnte ich zwar jetzt keinen Turbo-Boost feststellen, aber ich konnte zumindest meine Durchschnittszeit halten.

Dann kam wieder die Tajo-Brücke in Sicht. Nun war es nicht mehr sonderlich weit. Nur noch rund drei Kilometer. Über meinen Tiefpunkt bei traditionell 14 Kilometern war ich lange hinweg. Dann sah ich den Bahnhof von Belém, der kurz vor den Parkanlagen lag. Jetzt legte ich noch einmal eine Schippe drauf. Nun war ich im Schnitt mit rund 4:30 bis 4:40 Minuten/Kilometer unterwegs. Wahnsinn. Das war nicht mein Plan, aber es lief einfach rund.

Dann nur noch einmal rechts abbiegen Richtung Klosteranlage und auf dem Vorplatz des Planetariums kam das Ziel in Sicht. Die Uhr zeigte irgendwas mit 1:39, sprang dann auf 1:40 um. Noch ein paar Meter und dann war ich durch. Keine Ahnung, wie die Zeit nun war. Hatte es wirklich gereicht für eine neue Bestzeit? Es wäre in Folge die zweite nach dem Halbmarathon in Chisinau im September.

Ich holte mir erst einmal Äpfel, Wasser und Müsliriegel. Setzte mich in den Schatten und kochte erst einmal runter. Viel Zeit hatte ich nicht, ich musste mein Zimmer noch räumen. Um 12 Uhr war Auschecken angesagt. Jetzt war es 11:45 Uhr.

Ich holte mir meine Medaille, machte noch ein paar Fotos und ging dann direkt wieder zum Hotel. Duschen, aufräumen und packen. Alles war in 30 Minuten erledigt, so dass ich halbwegs pünktlich das Feld räumen konnte. Nun ging ich zum Bahnhof in Belém und nahm den Zug in die Innenstadt. Mittagessen, Kaffeetrinken, Stadt anschauen und mit dem Taxi zum Flughafen fahren, waren die nächsten to-dos des Tages, bevor es am Abend zurück nach Düsseldorf ging.

Im Endeffekt hatte ich meine Bestzeit nicht knacken können. Ganze 7 Sekunden fehlten mir am Ende. Mit 1:40:36 Stunden durchlief ich als 785-ster von 2.640 Finishern die Ziellinie. In der Altersklassenwertung erreichte ich Platz 165 von 436 Finishern. Wahnsinn. Auf 21 Kilometern waren schlussendlich ganze 7 Sekunden entscheidend. Vermutlich hat mir das Kopfsteinpflaster am Tajo einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei dem „Geeiere“ hatten wir sicherlich ordentlich Zeit verloren.

Ich war dennoch top zufrieden mit dem Ergebnis, da es ja gar nicht mein Ziel war, die Bestzeit erneut zu knacken. In diesem Jahr habe ich alle drei Zeiten, über 5, 10 Kilometer und dem Halbmarathon, neu eingestellt. Was will man mehr. Man braucht auch Ziele für 2019. Und da geht es im Januar bereits wieder auf Tour, dann nach Marrakesh.

Informationen zu diesem Halbmarathon im portugiesischen Herbst erhaltet Ihr auf der Veranstalterwebsite www.meiamaratonadosdescobrimentos.com oder der Seite des Discoveries Half Marathons. Da es diverse Websites zu geben scheint, muss man gut darauf achten, dass man die aktuellste Seite erwischt. In meiner Vorbereitungszeit hatten die Seiten mehrfach gewechselt und die eigentliche Route mit Start und Ziel war mir auch erst einen Tag vorher bekannt. Insofern eine durchaus planerische Herausforderung.

Der Lauf lohnt sich aber allemal, da er schöne Blicke auf den Tajo, die Küste um Lissabon sowie in einem kleinen Schlenker, auf die Innenstadt bietet. Insbesondere im Innenstadtbereich finden sich viele Zuschauer, während man auf der Küstenstraße mehr für sich alleine und mit dem Läuferfeld unterwegs ist. Lissabon lohnt allemal einen kurzen Abstecher – insofern allzeit gute Läufe!

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. 80er-kind.de sagt:

    Ich liebäugele seit zwei Jahren mit dem Lauf, weil Lissabon an sich eine wunderschöne Stadt ist.
    Vom Meia Maratona des Descobrimentos hatte ich allerdings noch nicht gehört.
    Wie war denn die Stimmung bzw. das Zuschauerinteresse? Es klang so, als wäre alles etwas kleiner und ruhiger, um nicht zu sagen semi-professionell.

    Gefällt mir

    1. Deine Zusammenfassung trifft es ziemlich gut. In der Stadt an sich, auf den großen Plätzen, stehen Zuschauer, aber an der Küstenstraße an sich eher nicht, wobei es immer mal wieder Grüppchen gibt. Es ist in der Tat durchaus ruhig. Das ganze Tamtam von den üblichen Halbmarathons großer Veranstalter darf man hier nicht erwarten, wobei dann im Zielbereich durchaus viel los ist. Ich fand es dennoch gut, weil ich auch gerne mal solche Läufe angehe, die ein wenig semi-professionell aufgezogen sind. Das ganze Marketing findet hier halt nicht statt. Dennoch ein ordentlicher Lauf mit fast 3.000 Läufern im HM.

      Gefällt mir

      1. 80er-kind.de sagt:

        Gibt ja noch die beiden großen Halbmarathons. Daher habe ich mich gewundert, dass es überhaupt noch einen weiteren gibt. Ist aber auf jeden Fall eine tolle Art, die Stadt zu erkunden. Und am Fluss ist‘s schön flach.

        Gefällt mir

      2. Das war meine Idee ;-). Sightseeing und Halbmarathon!

        Gefällt mir

      3. 80er-kind.de sagt:

        Bin mal fast die identische Strecke als Trainingslauf gelaufen. Tolle Strecke!

        Gefällt mir

Schreibe eine Antwort zu 80er-kind.de Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.