22. Teutolauf – Premiere und Herausforderung im Teutoburger Wald zugleich (29 km)

Gestern war es dann soweit. Der Versuch, meine bisherigen Laufstrecken mal signifikant auszuweiten. Jetzt mag man meinen, dass da der Teutolauf vielleicht nicht der richtige Lauf ist, um von den üblichen Halbmarathon-Läufen auf die 30 Kilometer-Marke hochzuschrauben. Beim Teutolauf werden eben nicht nur 29 Kilometer gelaufen, nein, auch die Steigungen haben es in sich. Immerhin knapp 600 Höhenmeter sind zu bewältigen. Dabei darf man die Abstiege sicherlich nicht unterschätzen. Dazu aber nachher mehr.

Ich hatte mich kurz nach Freischaltung der Anmeldung registriert. Bei Anmeldung hatte ich gar nicht auf dem Schirm gehabt, dass ich Anfang Oktober ja noch einen Halbmarathon in Oxford genannt hatte. Na gut, musste ich eben in den zwei Wochen meine Beine schonen und nur leichte Läufe absolvieren.  Die Anmeldung war raus, jetzt musste das auch durchgezogen werden.

 

Das Wetter war für meine Verhältnisse top. Ich liebe kalte Temperaturen, leichten Niesel und eine schöne Böe Wind. Da werde ich immer besonders schnell.

Der Teutolauf startet in Lengerich-Hohne, mitten in einem Wohngebiet an der örtlichen Grundschule. Das Starterfeld war überschaubar und irgendwie hatte ich gar nicht mitbekommen, dass es schon losgeht. Bis der Tross mal in Bewegung war, dauerte es auch ein wenig, da alle sehr entspannt an die Induktionsschleife herangingen, um dann zu starten. Dank des Champion Chips, kann man sich beim Start tatsächlich Zeit lassen, da die Messung eben erst beginnt, wenn man wirklich über die Matte gelaufen ist. So ließ auch ich erst einmal das Feld loslaufen und startete von ganz hinten.

Mit einer Anfangspace von 5:30 min/km war ich gefühlt langsam unterwegs, geplant war aber ein Schnitt zu Anfang von 6 min/km. Na gut, es lief, also startete ich eben ein wenig schneller durch.

 

Der erste Kilometer war recht eben und führte durch das Wohngebiet aus Hohne heraus. Dazu liefen wir entlang der Bahntrasse der Teutoburger Waldeisenbahn, um die Straße Diestelbreede nach links abbiegend in den Hörster Grenzweg zu verlassen. Hier ging es nun leicht bergan, was aber auch keine große Schwierigkeit war. Nach einem kurzen Stück Richtung Wald bogen wir erneut nach rechts ab und liefen an der Waldgrenze weiter entlang.

Ungefähr bei Kilometer 2,5 erreichten wir dann den Waldbeginn. Dieses Stück wird auch als Schweinepuckel bezeichnet. Hier geht es das erste Mal ein wenig bergan. Ab hier geht es bis ungefähr Kilometer 5 parallel zum Teutoburger Wald durch die Felder weiter voran. In Höhe der Westerbecker Hütte erreichen wir den Weg Brüggelieth, in den wir nach links abbiegen. Leicht ansteigend gelangen wir nun in den Wald hinein und befinden uns unversehens in einer echten Waschküche. Der Nebel zieht geheimnisvoll durch die Bäume hindurch und man hat den Eindruck wie durch eine riesige Halle zu laufen. Wir passieren die Quelle Brüggelieth und ab nun geht es das erste Mal steil bergan.

Strecke Teutolauf

Langsam, in kleinen Schritten, komme ich gut voran. Erstaunlich, die ersten Läufer gehen hier schon im Schritttempo. Ich nehme mir die Zeit, mache ein paar Fotos, und binde mir meine leichte Laufjacke um. Jetzt wird es doch muckelig warm.

In Kurven schrauben wir uns von ungefähr 90 Höhenmetern immer weiter nach oben. Bei knapp vor Kilometer 6 folgt dann eine scharfe Linkskurve und der Gemsensteig beginnt. Der Name macht dem Anstieg alle Ehre. Auch hier stapfe ich noch munter weiter nach oben und wundere mich über mich selbst, dass ich hier nicht auch Schritt gehe. Besonders vor diesem Anstieg, der mir von meinem 12 Kilometer-Lauf vor ein paar Jahren in Erinnerung geblieben war, hatte ich durchaus Respekt. Ungefähr bei Kilometer 6,3 erreichen wir den Hermannsweg auf Rund 226 Metern Höhe und biegen auf diesem nach rechts ab. Kurz danach folgt bei Kilometer 6,5 der erste Verpflegungsstand, den ich für zwei Becher Wasser und ein Müslistück nutze. Dann geht es weiter immer auf dem Kamm entlang Richtung Bad Iburg.

Höhenprofil

Von rechts wehen die Wolken über den Kamm und vielfach laufen wir durch die Wolken. Dies ist sehr angenehm, da wir so ein wenig Abkühlung bekommen. Meine Jacke nutze ich nicht, sondern befestige diese an meinem Spannband an der Hose. Zwischendurch ein wenig Traubenzucker und den Lauf genießen, der mehr oder weniger Eben weiterführt. Bei Kilometer 10 beginnen wir dann mit dem Abstieg nach Bad Iburg. Meine Pacezeit ist nach wie vor recht gut. Außer bei den Anstiegen am Gemsensteig, wo ich im Maximum eine 6:44 min/km verbuchte, bin ich in den übrigen Abschnitten mit rund 5:30 min/km oder besser unterwegs.

Bei Kilometer 12,8 erreichen wir den nächsten Versorgungsstand und finden uns unversehens in der Zivilisation wieder. Direkt vor uns, auf der anderen Straßenseite thront Schloss Iburg. Ab jetzt geht es, zumindest was die Richtung betrifft, wieder zurück. Auch hier wieder kurz eine Cola und eine Banane und dann weiter. Ich wundere mich, wie gut ich zurecht bin. Keinerlei Anstrengung oder Ermüdung zu erkennen, ganz im Gegenteil. Vermutlich liegt dies an der herrlichen Landschaft, die ablenkt und dazu führt, dass man sich nicht die ganze Zeit beobachtet.

 

Bis Kilometer 14 geht es nun über die Holperdorper Straße aus Bad Iburg wieder heraus, um dann nach rechts in den Mäscherdamm abzubiegen. Hier geht es wieder steil bergan. Von rund 125 Metern geht es bis auf rund 220 Höhenmeter innerhalb eines Kilometers hinauf auf den Urberg. Oben angekommen geht es wieder in den Wald, dann folgt ein U-Turn und es geht weiter über einen Trail auf dem Kamm entlang durch den Wald. Hier heißt es gut aufpassen, da der Damm von Wurzeln und Steinen durchzogen ist und es immer mal wieder ein paar Senken zu durchlaufen gilt. Meine Pacezeit rauscht hier gerade einmal durch die Decke. Im Maximum bin ich mit 7,17 min/km unterwegs. Aber, und darauf bin ich doch ein wenig stolz, immer noch im Lauftempo, wenn auch langsam.

Am Gasthof Urberg, ungefähr bei Kilometer 16, erreichen wir wieder Asphalt. Hier geht es durch die Felder für ungefähr einen Kilometer weiter Richtung Heidhornberg. Kurz vor diesem biegen wir wieder in den Wald ein. Über den Heidhornberg geht es nun immer entlang der Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Früher war hier die Grenze zwischen Hannover und Preußen. Dies macht auch ein Grenzstein am Wegesrand noch deutlich. Da hier früher geschmuggelt wurde, heißt der Pfad auch Schmuggelpättchen. Auch hier heißt es aufpassen, da der Weg zwar von Untergrund her durch die Tannennadeln weich ist, dennoch aber die eine oder andere Wurzel zum Stolpern einlädt.

 

Ab Kilometer 17 beginnt erneut der Abstieg, diesmal hinunter in das Holperdorper Tal. Hier führt uns der Weg in einem Bogen nach Niedersachsen und in das Holperdorper Tal hinein. Bei Kilometer 18 verlassen wir den Wald und laufen erneut auf Wirtschaftswegen. Ab Kilometer 19 begann dann der nächste Anstieg Richtung Wald. Dieses Gebiet hieß Hinter dem Borgberg. Hier steigen wir von rund 125 Höhenmetern hinauf auf rund 190 Höhenmeter. Wir laufen immer entlang des Waldes und haben schöne Blicke in die Täler. Bei Kilometer 21,5 biegen wir nach links ab und verlieren rasch an Höhe. Immer geradeaus geht es weiter bis zum Wirtschaftsweg Holperdorp, wo sich die nächste Verpflegungsstation befindet. Hier haue ich mal richtig rein. 2x Cola, 1x Wasser, 1x Banane, 2x Müsli und 2 x Dominosteine. Shit, wenn das mal gut geht.

Es geht gut, sogar sehr gut. Dann folgt der letzte Anstieg. Wieder einmal geht es steil bergan hinauf auf den Hermannsweg. Von 151 auf 246 Höhenmetern schrauben wir uns über den Waldsteig hinauf. Kurz vor dem Erreichen des Kammweges muss ich dann auch mal durchschnaufen. Bei Kilometer 23 merke ich das erste Mal, dass meine Beine einiges geleistet haben. Kurz darauf bin ich aber oben und ich kann ein wenig entspannter waagerecht dem Kammweg folgen. 24 Kilometer, 25 Kilometer. Jetzt plötzlich hängen an jedem Baum Kilometerschilder? Nicht gut, da ich jedes Mal denke, eigentlich muss ich doch weiter sein.

 

Bei exakt Kilometer 25 geht es dann zu Sache. Ab hier geht es rapide durch den Wald nach unten. Gleichzeitig heißt es höllisch aufpassen. Der Weg ist nur noch ein schmaler Pfad, durchzogen mit Wurzeln und allerlei Geäst. Von 234 Metern geht es hinab bis auf fast 85 Meter und das auf 2 Kilometern Wegstrecke. Jetzt merke ich deutlich, dass meine Beine auf sind. Diese 2 Kilometer werden zur Qual. Der Schwung treibt mich runter, gleichzeitig aufpassen, nicht schneller werden, die Beine koordinieren, ausweichen, überholen lassen, etc. etc.

Dann sind wir unten und verlassen den Wald. Auf den Feldwegen, die wir ganz zu Beginn gelaufen sind, geht es die letzten eineinhalb Kilometer wieder zum Ausgangspunkt zurück. Ein paar Läufer wandern, einige werden langsamer und ich kann doch noch den einen oder anderen überholen. Was tut geradeaus, ohne Steigung und bergab doch gut.

Nach 2:55:59 Stunden erreiche ich das Ziel. Das war es. Mein längster Lauf ever. Knapp 30 Kilometer sind geschafft. Die magische Marke. Und alle vorgenommen Ziele, nämlich unter 3 Stunden zu bleiben und dann damit eine Pace von unter 6 Minuten zu erlaufen, haben geklappt. Mit meiner Zeit erreiche ich Gesamtplatz 357 von 641 Finishern und Platz 335 bei den Männern (500). In der AK-Wertung schaffe ich Platz 61 von 79 Finishern.

 

Zugegeben, dass hatte ich mir insgesamt heftiger vorgestellt. Da war ich nach so manchem Halbmarathon kaputter. Zum Abschluss gab es noch ein bisschen alkoholfreies Bier, die Finisher-Medaille und ein Weizenbier-Glas, dieses aber leer. Aber beim Biersponsor konnte man sich dieses befüllen lassen.

Die Organisation war top, da gab es nichts auszusetzen. Die Verpflegungsstellen waren prima organisiert und wirklich vorbildlich ausgestattet. So wünscht man sich das, wenn man im Berg alles gibt. Dieser Lauf besticht nicht nur durch die Streckenlänge an sich, sondern vor allem durch die Vielfältigkeit und die herrliche Landschaft. Dass der Lauf im Herbst, also der goldenen Jahreszeit stattfindet, sorgt für fantastische Farben im Wald.

Fazit somit – unbedingt laufen und hoffen, dass es neblig ist. Infos findet Ihr auf der Website des Teutolaufs oder aber auf der Facebookpräsenz. Und nun allzeit gute Läufe!


12 Gedanken zu “22. Teutolauf – Premiere und Herausforderung im Teutoburger Wald zugleich (29 km)

  1. Hi Matthias, ich hatte den Teutolauf bisher ehrlich gesagt gar nicht auf dem Plan. Mein längster Lauf (in ähnlicher Länge) ist immer der „Münsterland Sternlauf“ – der aber natürlich keine Höhenmeter hat. Für nächstes Jahr merke ich mir den Teutolauf aber vor. So ein „Ultra-Light“ 😉 in schöner Landschaft könnte mir gefallen. Danke für den ausführlichen Bericht!

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  2. Herzlichen Glückwunsch. Ich bin „nur“ die 12km gelaufen, mit „nur“ 180 Höhenmeter. Die kamen aber gefühlt alle gleichzeitig.
    Vielleicht bin ich nächstes Jahr so mutig und traue mich an die 29km heran.
    Falls du zeitnah noch einen schönen Waldlauf mitnehmen möchtest, kann ich dir den Steinhart in Steinfurt empfehlen. Nächste Woche 😉

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    1. Hi somi, ich war überrascht, dass der 29-er doch recht reibungslos funktionierte. Die tatsächliche heftigste Steigung ist der Gemsensteig, das erste Stück im Wald, kurz vor Erreichen des Hermannwegs. Ich fand allerdings den Abstieg ins Ziel am heftigsten. Den Steinhart bin ich letztes Jahr gelaufen, aber nur die 14 km. Dieses Jahr bin ich auf Malta zu einem Halbmarathon. Nächstes Jahr dann vielleicht die Langdistanz 😉

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      1. Den Abstieg fand ich auch extrem. Hat mir eine schöne Muskelreizung beschert. Zum Glück ist der Steinhart nicht so hart wie er tut 😉 Zwei Steine habe ich schon zu Hause stehen. Bald sind es drei (aber auch nur 14km)
        Viel Erfolg auf Malta.

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